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Alles da für die Energiewende

Rund ums Gasometer in Berlin ist die Zukunft erlebbar - das interessiert auch die Politik

  • Von Tim Zülch
  • Lesedauer: 4 Min.

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Bundesministerin Karliczek (m. l.) und Michael Müller (m.) auf Stippvisite im EUREF-Campus
Bundesministerin Karliczek (m. l.) und Michael Müller (m.) auf Stippvisite im EUREF-Campus

»Es ist eigentlich alles erfunden, um die Energiewende erfolgreich zu gestalten.« Diesen Satz aus dem Mund von Reinhard Müller, Gründer und Vorstandsmitglied des EUREF-Campus in Schöneberg, hörte man beim Besuch von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag in verschiedenen Variationen. Die Politiker machten sich auf dem Campus ein Bild von neuesten Forschungen und ihrer Anwendung auf dem Areal. In dem eingangs erwähnten Satz schwingt mit, dass es an Politik und Wirtschaft liegt, die Energiewende auch umzusetzen.

Seit gut zehn Jahren wird auf der Fläche des Campus’ mit seinen rund fünf Hektar, die rund um das Gasometer in Schöneberg liegen, eine sogenannte Smart City für Arbeit, Forschen und Wohnen entwickelt. Maßgeblich beteiligt ist dabei der Architekt Reinhard Müller, der die Idee für einen ökologischen und innovativen Forschungsstandort in Berlin hatte. Rund hundert Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulinstitute arbeiten hier. Die Technische Universität (TU) bietet hier vier Masterstudiengänge an, die sich unter anderem mit den Themen Energie-Management und Nachhaltigkeit von Gebäuden beschäftigen.

Die gesamte Stromversorgung des Geländes wird mit Hilfe von Photovoltaik und einem mit Biogas betriebenen Blockheizkraftwerk gesichert. Über intelligente Systeme werden die Batteriespeicher geladen und die Verteilung auf dem Gelände gesteuert. Heizung und Lüftung der Gebäude auf dem Campus sind dabei einbezogen.

Auf die Frage von Anja Karliczek, ob so etwas auch außerhalb des EUREF anwendbar sei, erklärt Kristina Bognar von Schneider Electric: »Das ist keine Frage der Technik. Es lohnt sich einfach in der Regel nicht, weil es keinen Marktanreiz gibt, so etwas zu installieren.«

Neben der intelligenten Steuerung von Energie interessierte sich der Regierende Bürgermeister Müller für Möglichkeiten zur Elektrifizierung der BVG-Busse. Ein Student der TU stellte bei dem Rundgang eine Bus-Schnellladestation vor, durch die Busse über Fühler und einen Elektrokontakt im Dach geladen werden können. Einen Bus - beispielsweise beim Halt an der Endstation - nachzuladen dauere nur »wenige Minuten«, hieß es. Man halte die Batterie dadurch immer in einem »Wohlfühlfenster«. Auf der Linie 204 setzte die BVG bereits einen solchen Bus ein. Der Student geht davon aus, dass das gesamte Busnetz mit rund 1400 Bussen damit elektrifiziert werden könnte. Auch Müller sieht keine technischen Schwierigkeiten. Der Regierende sagt: »Das Problem für uns in Berlin ist momentan viel eher die Beschaffung der Busse.«

Auch für Malte Grapentin und seine Mitstreiter vom Start-up »Humpfry Marine« ist die Technik nicht die eigentliche Herausforderung. »Humpfry Marine« entwickelt Wasserstoffantriebe für Sportboote. Dafür kooperiert das Unternehmen mit Autofirmen und adaptiert deren Komponenten für den maritimen Bereich. »Das läuft noch alles über Einzel- beziehungsweise Sondergenehmigungen. Bei Sportbooten ist es etwas einfacher, Genehmigungen zu bekommen, als bei gewerblichen Schiffen«, sagt Grapentin. Sein Problem ist die Genehmigungspraxis der Behörden, die sich nicht an aktuellen Konzepten orientiert. Das zeige sich exemplarisch auf dem Gebiet der Tankstellen. Berlinweit gebe es derzeit nur vier Wasserstofftankstellen, davon ist keine zur Betankung von Booten ausgelegt. Deshalb tüfteln die jungen Unternehmer zurzeit an wechselbaren Tanks. »Man merkt halt, dass wir Vorreiter sind«, sagt Grapentin - und das, obwohl Daimler-Benz bereits 1995 ein erstes Brennstoffzellenauto als Prototyp vorstellte.

Am Ende des Rundgangs steigen Karliczek und Müller noch in den auf dem EUREF-Gelände autonom verkehrenden Elektro-Kleinbus »Emily«. Auf öffentlichem Straßenland dürfen solche Fahrzeuge bislang nicht verkehren. Professor Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) sieht auch hier in Berlin genehmigungsmäßigen Nachholbedarf. »Wir wollten in Tegel ein solches Fahrzeug 50 Meter ganz langsam durch einen Park fahren lassen - das Grünflächenamt aber erteilte uns eine Absage.«

Und auch auf dem Campus selbst gibt es Probleme. Kürzlich wurde bekannt, dass die Deutsch Bahn sich aus dem Projekt zurückzieht und sein »Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel« Mitte 2019 stilllegen wird. Das Zentrum forscht über die Zukunft der Mobilität und macht sich stark für Sharing-Angebote für Autos und beispielsweise Elektro-Lastenräder.

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