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Schwimmer wollen ernst genommen werden

Mehrere Stars verklagen den Weltverband. Sie fordern mehr Mitsprache und eine bessere finanzielle Beteiligung

  • Von Jörg Soldwisch, Hangzhou
  • Lesedauer: 3 Min.

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Katinka Hosszu lächelte zufrieden. Sportlich war der Titel über 400 Meter Lagen am Dienstag zum Auftakt der Kurzbahn-Weltmeisterschaften in China für die dreimalige Olympiasiegerin zwar nicht so bedeutend, doch er gab ihr sichtlich große Genugtuung. Ungarns Schwimmstar steht zurzeit an der Spitze einer Klage gegen den Weltverband FINA - ein Konflikt mit großer Sprengkraft. Gemeinsam mit den US-Topschwimmern Michael Andrew und Tom Shields unterzeichnete Hosszu die in den USA eingereichte Sammelklage, die sich gegen das internationale Wettbewerbsmonopol der FINA richtet. Auch der britische Superstar Adam Peaty zählt zu den Unterstützern der Revolution, die im Kern mehr Geld und Mitspracherecht für die Schwimmer fordert.

»Wenn sich Athleten wie Peaty oder Hosszu tatsächlich konsequent gegen die FINA stellen, dann ist der Kampf eröffnet, den selbst die FINA nicht gewinnen kann«, meint Bundestrainer Henning Lambertz. Das Thema ist bei der WM in Hangzhou in aller Munde, bestätigte Athletensprecherin Sarah Köhler: »Alle schauen gespannt auf die Entwicklung der Klage und wie sich der Schwimmsport danach verändern wird - oder eben auch nicht.«

Der seit Jahren schwelende Konflikt hat eine neue Dimension erreicht. Der Weltverband untersagte einen für den 20. und 21. Dezember in Turin geplanten Wettkampf - offiziell aus formalrechtlichen Gründen. Der italienische Verband behauptet, die FINA habe den Schwimmern bei einem Start mit harten Sanktionen gedroht. Das Meeting, bei dem hohe Preisgelder ausgelobt wurden, koordinierte die Profiserie International Swimming League. Die ISL und Athleten zogen vor Gericht.

Die ISL will ab 2019 eine Wettkampfserie starten, bei der der Großteil des Geldes direkt an die Sportler fließen soll. Die FINA mit ihrem 83-jährigen Präsidenten Julio Cesar Maglione, dessen Wirken man bislang kaum als athletenfreundlich bezeichnen kann, sieht die Bedeutung ihrer Wettbewerbe gefährdet und blockiert die Bemühungen. »Meine Leidenschaft war es immer, das Schwimmen in die Richtung zu führen, in der Sportler die Partner der Verbände sind und keine Marionetten«, sagt Hosszu: »Die ISL nimmt die Schwimmer ernst, anders als die FINA.«

Hinter der Profiserie soll der ukrainische Milliardär Konstantin Gregorischin stehen. Nach FINA-Angaben gebe es weiterhin Verhandlungen um eine einvernehmliche Lösung. Laut Medienberichten hat der Weltverband von der ISL eine Gebühr von 50 Millionen Dollar gefordert. Dieses Geld könnte keine Profiserie wieder einspielen. Lambertz fordert deshalb, »die FINA sollte sich öffnen und Gesprächsbereitschaft signalisieren«. Denn dass sich im Leistungsschwimmen etwas ändern muss, stehe außer Frage: »Es gibt nur eine Handvoll Athleten weltweit, die von dem Geld auch nach der Karriere gut leben können.«

Die Klage wird auch im Internationalen Olympischen Komitee mit Interesse verfolgt. Der Eisschnelllaufweltverband hatte zuletzt einen ähnlichen Fall vor der Wettbewerbskommission der Europäischen Union verloren. IOC-Präsident Thomas Bach warnte, von Verbänden losgelöste Wettbewerbe könnten »vor allem auf Geld basieren und Sportler als Anlage behandeln«. SID/nd

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