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Weniger Verschuldete

In Berlin und Brandenburg stecken nicht mehr so viele Menschen in der Schuldenfalle

  • Von Jérôme Lombard
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Zahl der verschuldeten Bürger in Berlin und Brandenburg ist in den vergangenen zwölf Monaten leicht zurückgegangen. Das geht aus dem am Dienstag von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform vorgestellten Schuldneratlas 2018 hervor.

Demnach galten zum Stichtag am 1. Oktober 371 988 Menschen in der Hauptstadt als verschuldet. Das waren 1900 weniger als im Zeitraum ein Jahr zuvor. 2018 beträgt die Schuldnerquote in Berlin laut Atlas 12,42 Prozent (2017: 12,63 Prozent). Damit hat immer noch jeder achte Berliner über 18 Jahren Probleme, seine Miesen auf Dauer zu begleichen.

In Brandenburg lag die Zahl der verschuldeten Personen laut Studie bei 209 969. Das waren 1680 Verschuldungsfälle weniger als im vergangen Jahr. Mit 9,94 Prozent (2017: 10,2) ist die Schuldnerquote in Brandenburg damit geringer als in der Hauptstadt.

Der positive Trend in den beiden Bundesländern verläuft konträr zu den Zahlen für das Bundesgebiet. Deutschlandweit ist die Verschuldungsquote laut Schuldneratlas zum fünften Mal in Folge gestiegen.

Demnach waren fast sieben Millionen Menschen beziehungsweise rund 3,5 Millionen Haushalte in Deutschland 2018 überschuldet.

Der geschäftsführende Gesellschafter von Creditreform, Jochen Wolfram, führt den Rückgang der Verschuldungsquote in Berlin auf das fortwährende Bevölkerungswachstum zurück. »Auch die gute wirtschaftliche Situation ist ursächlich für die positive Entwicklung in der Hauptstadt«, sagte Wolfram. Er gab allerdings zu bedenken, dass die Situation in den einzelnen Bezirken sehr unterschiedlich ausfällt.

Während im gutbürgerlichen Steglitz-Zehlendorf die Verschuldungsquote bei 7,98 Prozent liegt, bleibt Spandau mit 15,86 Prozent Berlins Schuldnerhochburg. Auch Neukölln (15,55 Prozent) und Marzahn-Hellersdorf (15,19 Prozent) weisen eine überdurchschnittlich hohe Zahl an verschuldeten Personen auf.

Für Brandenburg zeigt der differenzierte Blick ebenfalls Unterschiede. Bei der Betrachtung der 18 Landkreise und kreisfreien Städte spiegelt sich der positive Trend des Landes insgesamt wider. Vier Landkreise (Elbe-Elster, Oder-Spree, Spree-Neiße und Prignitz) verzeichneten aber gegen den Landestrend einen Anstieg der Verschuldungsquote. Laut Schuldneratlas verringerte sich die Verschuldungsquote am stärksten in Cottbus sowie im Landkreis Dahme- Spreewald.

Als einen der Hauptgründe für Verschuldungen nannte Wolfram Arbeitslosigkeit. »Etwa jeder fünfte Fall von privater Verschuldung liegt bundesweit in fehlender Arbeit begründet«, erklärte Wolfram. Des Weiteren seien Erkrankungen, unwirtschaftliche Haushaltsführung, Scheidungen und gescheiterte Selbstständigkeiten die Hauptursachen für Menschen, in die Schuldenfalle zu geraten.

Auf der anderen Seite sei »ein sicherer Arbeitsplatz der beste Garant für ein schuldenfreies Leben«, wie Wolfram erläuterte. In großen Städten wie Berlin oder Potsdam seien aber auch zunehmend Mietkosten Grund für Verschuldungen. »Steigende Mieten werden zukünftig eine der Hauptursachen für Verschuldung darstellen«, sagte Wolfram.

Demografisch gesehen sind Verschuldete in Zukunft vorwiegend älter und weiblich. Die Zahl der Fälle stieg bei den Frauen bundesweit um 21 000, während sie bei den Männern um 2000 Fälle abnahm. Ein großes Problem stellen zudem Rentner dar: 2018 sind 263 000 Menschen über 70 Jahre verschuldet. Dies ist ein Anstieg um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Als Maßnahmen gegen Verschuldungen mahnte Wolfram eine Verbesserung der Insolvenzberatung an. Zudem bräuchte es bereits an Schulen bildungspolitische Initiative in diese Richtung. »Wir brauchen dringend mehr Projekte, die das maßvolle Geldausgeben lehren.«

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