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  • Berlin
  • Stickstoffdioxid-Belastung

Berliner Luft hat ein Dieselproblem

Herbstmessung der Deutschen Umwelthilfe belegt flächendeckende Schadstoffbelastung

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

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«Wann haben Sie das letzte Mal Ihren Lungenbläschen Salpetersäure zugemutet?» Es ist eine beunruhigende Frage, mit der der Kinderarzt Christian Döring am Montag in Berlin auf die großen Gesundheitsrisiken aufmerksam machte, die die gerade durch ältere Diesel-Pkw ausgestoßenen Schadstoffe für Kleinkinder, Heranwachsende, Kranke und Senioren heraufbeschwören. Dabei geht es vor allem um die Luftbelastung durch giftiges Stickstoffdioxid (NO2), die in der Luge unter anderem zu Säure reagieren und Entzündungsprozesse auslösen. NO2 sei geruchlos, sein Pegel Innenstädten permanent hoch. Gerade für Kinder im Wachstumsprozess sei das Atemgift so gefährlich. Döring lebt in Köln, einem der industriellen Ballungsräume, in denen ab April 2019 ein räumlich begrenztes Fahrverbot für Diesel-Pkw älterer Baujahre gilt.

Anlässlich der Präsentation neuer Luftgütemessungen an besonders sensiblen Orten in Berlin durch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) setzte sich der Kinderarzt entschieden für die strikte Verteidigung und Durchsetzung der vorgeschriebenen NO2-Grenzwerte in Deutschland ein. Die nichtstaatliche Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation ist in den vergangenen Monaten wegen ihrer unerbittlichen Haltung in der Diesel-Debatte zunehmend unter den Druck der Automobilindustrie aber auch der AfD und sogar von Teilen der etablierten Parteien geraten.

In Berlin hatte die DUH in diesem Herbst im Rahmen ihrer Citizen Science-Messaktion «Decke auf, wo Atmen krank macht» alarmierende Luftbelastungswerte des Dieselabgasgifts NO2 an 47 Messorten im unmittelbaren Umfeld von Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern, Pflege- und Seniorenheimen ermittelt. Darüber informierte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Danach zeigte mehr als jeder zweite Messort Überschreitung des Grenzwerts von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Gemessen wurde über einen Zeitraum von vier Wochen mittels sogenannter Passivsammler, die in zwei Metern Höhe angebracht waren.

«Die Messungen zeigen, dass wir in Berlin ein flächendeckendes Problem mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid haben», erklärte Resch. Es ist angesichts von 250 000 Asthmatikern in Berlin - darunter 50 000 erkrankte Kinder - nicht akzeptabel, wenn sogar die Luft vor Schulen, Kitas und Pflegeheimen derart hoch mit dem Dieselabgasgift NO2 belastet ist.«

Selbst die in der Messreihe ermittelten Durchschnittswerte liegen meist über dem zulässigen Grenzwert - in der Nähe von Arztpraxen und Krankenhäusern etwa wurden 44,9 Mikrogramm gemessen, an Kitas und Schulen lag der Wert bei 40,7. Die höchste Belastung (57,4 Mikrogramm) wurde vor dem Eingang zu einem Kinderarzt am Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg ermittelt. Einer sehr hohen NO2-Konzentration war eine Kita in der Markstraße in Reinickendorf (52,7 Mikrogramm) ausgesetzt. In Weißensee wurde mit 47,7 Mikrogramm der höchste vor einem ambulanten Pflegedienst für ältere Menschen ermittelte Wert gemessen.

Der DUH-Chef verwies darauf, dass der Senat beschlossen habe, nicht gegen die für bestimmte Bereiche der Stadt verhängten Diesel-Fahrverbote in Berufung zu gehen. »Wir sind gespannt, ob es dabei bleibt«, sagte Resch. Die NO2-Grenzwerte müssten bis Ende 2019 überall in Berlin eingehalten werden. »Diese Einhaltung werden wir auch durch begleitende Messungen sicherstellen.« Die BUH werde auch an den offiziellen Messpunkten nachmessen, denn häufig werde bei Messreihen auf die jeweils niedrigsten zurückgegriffen. »Wir haben in Berlin kein Problem an einzelnen Stellen, wir haben ein flächendeckendes Luftreinheitsproblem.«

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