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The Notorious RBG

Die Dokumentation »RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit« erinnert an Ruth Bader Ginsburgs Kampf für Bürgerrechte

  • Von Jasper Nicolaisen
  • Lesedauer: 3 Min.

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Zum ersten Mal begegnete ich dem Namen Ruth Bader Ginsburg auf Twitter, wo die Nachricht kursierte, diese offensichtlich hochbetagte Person habe sich bei einem Sturz verletzt und es sei fraglich, ob sie ihr Amt weiter ausüben könne. Mehrere Userinnen meldeten sich daraufhin mit dem Angebot, Knochen, Organe und alles, was nötig sei, zu spenden, um »RBG« zu ermöglichen, weiter am Obersten Gerichtshof der USA Recht zu sprechen und Ärsche zu treten.

Diese kurze Anekdote verdeutlicht vielleicht, wieso über das vermeintlich trockene juristische Geschäft dieser Tage eine Kinodokumentation erscheint, die mit reihenweise enthusiastischen Interviewausschnitten zumeist sehr junger Fans aufwarten kann. »RBG« ist in der US-amerikanischen Öffentlichkeit eine Kultfigur, ja ein Popstar, und das gerade weil sie dem Anschein nach eine großmütterliche Figur ist, die ihre Autorität niemals durch lautes Auftreten unter Beweis stellen muss. Vielmehr, das wird bei der Betrachtung dieses Dokumentarfilms schnell deutlich, ist es ihre bedachtsame Art zu argumentieren, im Tonfall verbindlich, in der Sache aber unbestechlich und strategisch kühl, taktisch kein Register von emotional bis druckvoll scheuend, die sie zu einer der erfolgreichsten Juristinnen des 20. Jahrhunderts gemacht hat. Seit den 1970er Jahren focht sie bei einer Reihe von Fällen beharrlich bis in höchste Instanzen, die zusammengenommen wesentlich dazu beitrugen, das von sozialen Bewegungen und politischen Gruppierungen Erstrittene auch in der Gesetzgebung der USA zu verankern: das Recht von Frauen, am verfassungsmäßig garantierten Streben nach Glück teilzunehmen, zuvorderst durch die Herstellung von finanzieller Unabhängigkeit von und die rechtliche Gleichstellung mit Männern.

Der Film verzichtet glücklicherweise bei aller Begeisterung für seine Protagonistin darauf, aus Ruth Bader Ginsburg eine einsame Lichtgestalt zu machen, sondern lässt ausführlich auch Mandant*innen und juristische Wegbegleiter*innen zu Wort kommen, sodass deutlich wird, wie sehr die 1993 ans höchste Gericht Berufene mit und für Zeitgenoss*innen stritt. Dazu gehören übrigens immer wieder auch Männer, etwa der Vater, für den Bader Ginsburg erstritt, dass ihm dieselben Elternzeitrechte eingeräumt wurden wie einer Frau, nicht ohne dabei strategisch schon an anschließende Klagen hinsichtlich der Gleichberechtigung von Frauen zu denken.

Die Besetzung des Supreme Court hat unter dem unsäglichen Donald Trump als politische Frage wieder an Bedeutung gewonnen, und die Beliebtheit einer kämpferischen und doch sachlichen öffentlichen Person wie RBG erklärt sich wohl auch durch die Sehnsucht nach Repräsentations- und Integrationsfiguren eines liberalen bürgerlichen Milieus in den USA. Dass es ein solches einmal machtvoll gegeben hat, dass es gar zum Vorbild eines deutschen sozialdemokratischen oder grünen Lagers getaugt haben mag, nicht zuletzt daran erinnert dieser Film.

»RBG - Ein Leben für die Gerechtigkeit«, USA 2018. Regie: Julie Cohen/Betsy West. 98 Min.

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