Keine Experimente!

denkspiel mit Mike Mlynar

Von Mike Mlynar

Der Geschichte und Sinnhaftigkeit von Weihnachten nachzuspüren, bringt Sagenhaftes und Nachdenkenswertes zutage. Aktuell dominiert dabei ganz profan: Dieses Hochfest ist vor allem eins für den Handel und die Belustigungsindustrie. Und die christlichen Kirchen, die das Fest erfanden, lassen die Dinge ohnmächtig, vielleicht gar selbstmächtig vor sich hin treiben.

Man kann das alles nehmen wie es ist. Es gäbe aber auch lustige Alternativen. Als Mitmachboykott böte sich etwa gleich ab morgen eine zweiwöchige Reise ins türkische Anatolien bzw. in die chinesische Provinz an. Hingegen wäre beispielsweise eine Pro-Weihnachtsaktion, es geschenkemäßig mal richtig, also mindestens im fünfstelligen Eurobereich, krachen zu lassen. So oder so käme man in der Verwandt- wie Nachbarschaft, vielleicht auch in den sozialen Medien groß raus: Verräterin! Großkotz!

Beide Gags scheinen verlockend, sind aber teuer. Die, die es ohne fettes Konto dennoch verlockt, sollten es keinesfalls mit Zocken versuchen. Zwar hält sich weiter die Mär von todsicheren Gewinnsystemen, doch letztlich gewinnt immer das Casino, die Lotterie, der Totalisator oder die Spielkaschemme. Meist sind die Wahrscheinlichkeiten theoretisch sogar fair verteilt, denn die mathematischen Gesetzmäßigkeiten können die Anbieter auch nicht außer Kraft setzen. Doch sie bestimmen Spielmodi und -regeln. Beim Roulette tun sie das beispielsweise mit der Null (»zero«) sowie mit der unveränderlichen Zahlenmenge auf dem Tisch. Mit »zero« wird der Gewinnerwartungswert zugunsten des Veranstalters verschoben, was zusammen mit den immer exakt 36 Zahlen sichert, dass die maximale Auszahlung nie 98 Prozent der Einnahmen überschreitet. Letzteres erscheint recht harmlos. Doch die Masse macht’s. Aus dieser klitzekleinen Lücke ist die heutige Las-Vegas-Mafiawelt erwachsen, mit all ihren Milliardären und der entsprechenden Mord- und Selbstmordrate.

Also keine Experimente! Dann schon lieber Weihnachten wie immer. Unsere beiden Aufgaben zum Thema sind übrigens ganz harmlos. Etwas leichter: Ein Kartentrickser hält drei Karten hoch: Eine ist auf beiden Seiten weiß, eine auf beiden Seiten rot, die dritte auf der einen Seite weiß, auf der anderen rot. Er wirft sie in einen Zylinder und lässt einen Zuschauer blind eine Karte ziehen und sofort auf den Tisch legen: Die Oberseite ist weiß. Der Trickser wettet nun mit dem Mitspieler um 5 Euro, dass diese Karte auf beiden Seiten weiß ist. - Haben beide die gleichen Gewinnchancen, ist das Spiel also im mathematischen Sinne fair?

Etwas schwerer: In einer Kneipe, in der nicht nur Karten gespielt, sondern auch gewürfelt wird, macht einer dem Tischnachbarn ein Spielangebot mit einem Würfel: »Du hast jeweils vier Würfe, und wenn mindestens eine 6 dabei ist, bekommst du von mir einen Euro - wenn nicht, musst du mir einen bezahlen.« - Haben beide die gleichen Chancen, ist das Angebot also fair?

Antworten an spielplatz@nd-online.de oder per Post (Kennwort »Denkspiel«). Einsendeschluss: Mittwoch, der 19. Dezember. Absender nicht vergessen, denn wir verlosen zwei Buchpreise separat für die richtigen Antworten auf beide Fragen. Auch Einzeleinsendungen sind möglich.