Open Access mit Vorbehalt

Chemiker-Gesellschaft zu europäischem »Plan S«.

Von Steffen Schmidt

Forschungsergebnisse, die mit öffentlichen Geldern bezahlt worden sind, sollten auch frei zugänglich sein. Das ist die Idee hinter Open Access (engl. freier Zugang) zu wissenschaftlichen Publikationen. Doch obwohl Wissenschaftseinrichtungen, Fachgesellschaften und sogar Verlage sich zu diesem Konzept bekennen, kommt es nur schleppend voran. Die Gründe sind vielfältig. Zum einen sind viele der für die wissenschaftliche Karriere wichtigen Journale nur eingeschränkt dabei, zum anderen verlangen viele Verlage recht hohe Publikationsgebühren. Dem will eine Initiative von elf europäischen Forschungsförderungsorganisationen mit einem »Plan S« abhelfen. Um bis zum Jahr 2020 vollständigen Open Access zu erreichen, wollen sie geförderte Wissenschaftler zur Open-Access-Publikation verpflichten und zugleich die Publikationsgebühren deckeln. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt zwar Ziele der Initiative, hat sich aber bisher nicht angeschlossen. Ein Grund ist sicher der Verfassungsrang der Forschungsfreiheit, der möglicherweise mit zwingenden Vorgaben zum Publikationsweg kollidiert. Bei einem kürzlichen Treffen in Berlin unterstützten chinesische Organisationen wesentliche Punkte von »Plan S«.

Jetzt hat sich mit der Gesellschaft Deutscher Chemiker eine der größten wissenschaftlichen Fachgesellschaften mit einigen kritischen Einwänden dazu gemeldet. Man unterstützt das Anliegen, lehnt aber einige wesentliche Forderungen der Initiative ab. Gestört wird sich vor allem daran, dass Zeitschriften, die ein hybrides Veröffentlichungsmodell praktizieren - also sowohl gegen Publikationsgebühr frei zugängliche Texte als auch solche für Abonnenten anbieten - nicht mit den Vorgaben vereinbar sein sollen. Zusammen mit der Deckelung der Publikationskosten, fürchten die Chemiker, würde das Journale mit geringer wissenschaftlicher Reputation begünstigen. Denn bei einflussreichen Fachblättern sei der redaktionelle Aufwand hoch, um aus der Masse eingesandter Arbeiten die wichtigen herauszufiltern. Befürworter halten das für ein Scheinargument, da die fachliche Begutachtung in der Regel unentgeltlich von Wissenschaftlern geleistet wird.