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  • Deutsch-Russische Kulturinstitut

Im Schatten der Weltpolitik

Das seit 1993 etablierte Deutsch-Russische Kulturinstitut Dresden bangt um die Förderung

  • Von Hendrik Lasch, Dresden
  • Lesedauer: 4 Min.

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Im Jahr 2021 könnte in Dresden ein kulturelles Großereignis stattfinden: eine Konferenz zum 200. Geburtstag von Fjodor Dostojewski. Literarische Gesellschaften, die sich weltweit dem Autor widmen, hätten das Deutsch-Russische Kulturinstitut (DRKI) um die Ausrichtung einer Konferenz gebeten, sagt Mitarbeiter Witali Kolesnik: »Wir fühlen uns geehrt.«. Zu den sichtbarsten Erfolgen des seit 1993 in der Stadt tätigen Vereins gehörte im Jahr 2006 die Errichtung eines Denkmals für den Schriftsteller, der zeitweise auch in Dresden lebte.

Es gibt freilich ein Problem: Derzeit ist unklar, ob und in welcher Form es das DRKI im Jahr 2021 noch gibt. Grund ist die Kürzung der Förderung durch die Stadt Dresden. Sie gewährte seit 1999 jährlich 20 000 Euro. Im Jahr 2018 gab es indes 3000 Euro weniger; für 2019 soll der Kulturausschuss des Stadtrats an diesem Montag gar eine Halbierung auf 10 000 Euro beschließen, und 2020 könnte gänzlich Schluss sein. Damit, warnte die Dresdner Ausländerbeauftragte Kristina Winkler schon im Oktober 2017, befördere man die »sukzessive Einstellung der Vereinsarbeit«.

Der Verein hat in den 25 Jahren seines Bestehend zahllose Lesungen, Vorträge und Konzerte ebenso wie Sprachkurse organisiert; er betreibt eine Bibliothek und ist Gastgeber für prominente Autoren, Musiker und Politiker nicht nur aus Russland, sondern etwa auch aus Baschkirien oder Kirgistan. Er ist Anlaufpunkt für Menschen aus der früheren UdSSR, die in Dresden die zweitgrößte Migrantengruppe stellen, und will Dialog und Austausch zwischen der Stadt und Russland ermöglichen.

Lange Jahre stand das nicht in Frage. Als 2006 das Denkmal für Dostojewski direkt neben dem sächsischen Landtag eingeweiht wurde, kamen Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Wladimir Putin. Zwölf Jahre später wäre das freilich »unvorstellbar«, sagt Wolfgang Schälike, langjähriger Chef des DRKI, das er zusammen mit seiner Frau Valerija begründet hat. Die Zeichen zwischen dem Westen und Russland stehen auf Konfrontation; der Konflikt mit der Ukraine und um die Krim hat bewirkt, dass Gesprächsforen wie der Petersburger Dialog einschliefen und Sanktionen verhängt wurden.

Dieser kalte Wind der Weltpolitik scheint auch durch das Preußische Viertel in Dresden zu wehen, wo das DRKI in einer Villa seinen Sitz hat. Offiziell werden dem Verein durch eine Facharbeitsgruppe des Stadtrats zwar Defizite beim »tatsächlichen interkulturellen Austausch« angelastet. Daneben wird jedoch explizit etwa auf eine Lesung aus einem Buch verwiesen, das die »Rettung der Krim nach dem mit westlicher Unterstützung inszenierten Staatsstreich in der Kiew« zum Thema hat. Schälike verweist auf sehr unterschiedliche Sichtweisen zur Krimkrise innerhalb des Vereins; Kolesnik betont, er sei Ukrainer und sehe die Krim als Teil seiner Heimat. Im Rathaus kommt diese differenzierte Sicht indes nicht an.

Angelastet wird dem Verein auch ein nicht ausreichend »multiperspektivischer Ansatz« in der Erinnerungskultur. Konkret heißt es, dieser habe die »Nachtwölfe« eingeladen, einen Motorradklub, der im Konflikt um die Ukraine stark nationalistische Positionen vertrat. Als die Biker 2015 anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung durch Europa tourten, erklärten das deutsche Außen- und das Innenministerium, die Fahrt sei nicht förderlich für die deutsch-russischen Beziehungen; einigen der Teilnehmer wurde die Einreise verwehrt.

Tatsächlich waren die Nachtwölfe auch wiederholt im DRKI. Man habe sie aber »nicht eingeladen«, sagt dessen Chef, sondern lediglich etwa bei Absprachen mit der Polizei geholfen. Daneben gebe es jeweils zum 8. Mai Veranstaltungen gemeinsam mit jüdischer Gemeinde und russisch-orthodoxer Kirche, Treffen für Kriegsveteranen und Kranzniederlegungen, teils im Beisein von Politikern wie der Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (LINKE). »Unser Gedenken«, sagt Schälike, »hat viele Facetten.«

Im Rathaus äußert man sich auf Anfrage nicht zu den Gründen für die Kürzung der Förderung; eine Sprecherin teilt nur knapp mit, der Verein sei von der Kulturverwaltung auch für 2019 »zur institutionellen Förderung vorgeschlagen«; entschieden werde im Kulturausschuss. Schälike wartet gespannt, wie sich dieser zur Förderung des internationalen Austauschs positioniert - der an anderer Stelle üppig unterstützt wird. Das französische Kulturzentrum in Dresden erhält seit langem jedes Jahr 68 000 Euro nur als Subvention zur Miete.

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