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Erneut Ärger um »Gorch Fock«

Wegen Bestechungsverdachts fällt die Jubiläumsfeier für das Segelschulschiff ins Wasser

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die »Gorch Fock« bei der Kieler Woche
Die »Gorch Fock« bei der Kieler Woche

Ein Jubiläum hatte die Bundesmarine am Montag feiern wollen: Ihr Segelschulschiff »Gorch Fock« war vor 60 Jahren, am 17. Dezember 1958, in Dienst gestellt worden. Doch die Festlichkeiten wurden abgesagt, denn schon wieder ist die Dreimastbark, die seit Ende 2015 zu Reparaturen auf einer Werft bei Bremerhaven liegt, von dunklen Wolken überschattet. Diesmal trübt Korruptionsverdacht das Image des Seglers. Im Raum steht die Frage, ob ein Beamter der Bundeswehr von Firmen bestochen worden ist

Die Staatsanwaltschaft im niedersächsischen Osnabrück hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und bei dem Marine-Bediensteten, bei der Werft und einer weiteren Firma sowie bei zwei Mitarbeitern dieser Unternehmen mehrere Räumlichkeiten durchsuchen lassen. Dabei sei »umfangreiches potenzielles Beweismaterial« sichergestellt worden, teilt die Behörde mit. Dieses wird nun daraufhin untersucht, ob der Beamte sich bei den Betrieben für ein privates Bauvorhaben sechsstellige Eurobeträge geliehen hat oder ob es sich um als Darlehen getarntes Bestechungsgeld handelt. Zu den Aufgaben des Bundeswehr-Angehörigen gehört es, Preise für Reparaturen an der »Gorch Fock« zu prüfen.

Diese haben sich inzwischen als »Fass ohne Boden« erwiesen; die veranschlagten Kosten der Instandsetzung sind inzwischen von 75 auf 135 Millionen Euro geklettert, mit Billigung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie will offensichtlich festhalten an der teuren »Gorch Fock II«, wie der Segler oft bezeichnet wird, gab es doch schon vor ihm ein Schulschiff mit dem Namen des 1916 in einer Seeschlacht getöteten deutschen Schriftstellers. Die »Gorch Fock I« war von 1933 bis 1945 im Einsatz des Hitlerregimes, ging dann als Reparationsleistung unter dem Namen »Towarischtsch« in den Besitz der Sowjetunion, wurde im Jahr 1991 von der ukrainischen Handelsmarine übernommen und gelangte 2003 als schwimmendes Museum nach Mecklenburg-Vorpommern in den Hafen von Stralsund.

Bis zu jenem Jahr hatte sich die »Gorch Fock II« bereits eine beachtliche Karriere ersegelt. Dank vieler Auslandsfahrten wurde sie oft als »Botschafterin Deutschlands« gerühmt, 1964 repräsentierte sie die BRD auf der Weltausstellung in New York. Aus der Regatta, die 1976 zur 200-Jahr-Feier der USA ausgerichtet worden war, ging das Schiff als Sieger hervor.

Ein tragisches Geschehen trübte im September 2008 das Renommee der Dreimastbark erheblich: Die Offiziersanwärterin Jenny Böken stürzte aus der Takelage in die Nordsee, wurde leblos geborgen. Die genauen Todesumstände gelten als ungeklärt. Die Eltern der damals 25-Jährigen aber geben sich damit nicht zufrieden und hoffen aufgrund von Aussagen eines Bekannten ihrer Tochter, dass die Ermittlungen wieder aufgenommen werden.

Negativschlagzeilen machte das Schiff sodann seit 2012 durch die Explosion der Kosten und im September 2018 durch die Nachricht: Für die Instandsetzungsarbeiten an Bord sei verbotswidrig Teakholz aus Myanmar importiert worden. Nun droht das Ansehen der »Gorch Fock« ein weiteres Mal zu leiden: durch den Bestechungsverdacht. Darüber soll am Donnerstag auf einem »Krisentreffen« gesprochen werden, an dem auch Ursula von der Leyen teilnimmt. Schon im Vorfeld der Begegnung betont ihr Ministerium, was keinesfalls auf der Tagesordnung stehen werde: das Ende der »Gorch Fock II«.

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