Horror in Glücksland

Währungsreform von König Habegern I. bremst Kaufsucht

Von Mike Mlynar

Auch im kleinen Königreich Glücksland, weit hinter den Bergen, hatten die Menschen wieder wie verrückt für Weihnachten eingekauft. Dem König Habegern I. gefiel es zwar, wenn seine Untertanen es sich mal richtig nett machten, aber der Kaufrausch wurde ihm von Jahr zu Jahr mehr zuwider. Vor allem, weil seine Glücksländer ihr - übrigens alles andere als leicht verdientes - Geld immer doller verschleuderten. Zum anderen auch, weil sie ihn, Ihre Majestät, immer unverschämter drängten, mehr Lohn zu zahlen und weniger Steuern zu verlangen.

Für den königlichen Haushalt selbst hatte Habegern I., zumindest was Geschenke aller Art anging, schon seit Jahren die Devise ausgegeben: Nichts mehr addieren, nur noch subtrahieren. Dies nicht aus Geiz, sondern aus Vernunft, betonte er zu jeder Gelegenheit gern. Doch was war geschehen? Seine Gattin, Königin Habegernalles, hatte die Staatskasse für kostbare Weihnachtsgeschenke so geplündert wie noch nie.

Gegen diese Konsumsucht musste eine rigorose Lösung her, sagte sich Habegern I. Mit Appellen war er da bisher weder bei seiner Frau noch bei den Untertanen seines überschaubaren Reiches weit gekommen. Auch Gesundheitskampagnen wie »Nimm einen Burger weniger!« oder Umweltaktionen wie »Rad statt Rolls!« hatten sich als Flop erwiesen.

Die nunmehrige Lösung war so simpel wie genial. Der König ließ die umlaufenden Münzen in seinem Reich Glücksland von der bisherigen Stückelung kaufunfreundlich umstellen: Von nun an gab es nur noch zwei Münzenarten - im Wert von 19 Glücks und im Wert von 80 Glücks. Das machte das Shoppen vom ersten Tag an zum Horror. Dauernd musste man auf viel Wechselgeld zurückgreifen und auch noch rechnen können. Königin Habegernalles beschwerte sich beispielsweise bei ihrem Gemahl, dass sie etwas, das 8 oder 98 Glücks kostet, mit diesen Münzen überhaupt nicht bezahlen könne. - Hat sie recht? Wenn nicht: Wie kann man das bezahlen?