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Jeder Schluck hilft Familien in Honduras

Neu im nd-Shop: Extra für »nd« gerösteter Kaffee aus der Frauenkooperative »Aprolma«

  • Von Heidi Diehl
  • Lesedauer: 4 Min.
Nadine Heymann und Oliver Klitsch wollten mehr als guten Kaffee trinken und gründeten ihr eigenes Unternehmen.
Nadine Heymann und Oliver Klitsch wollten mehr als guten Kaffee trinken und gründeten ihr eigenes Unternehmen.

Ohne die Tasse Kaffee am Morgen geht bei den meisten nichts. Er hilft beim Munterwerden, und wenn er dann auch noch schmeckt, dann ist die Welt für einen Moment in Ordnung. Zu wenig für Nadine Heymann und Oliver Klitsch. Deshalb haben die beiden leidenschaftlichen Kaffeetrinker eines Morgens vor gut fünf Jahren bei der ersten Tasse Kaffee des Tages einen Entschluss gefasst, der ihr ganzes Leben verändern sollte. Gemeinsam wollten sie eine eigene Kaffeerösterei gründen, in der es den besten Kaffee gibt, den sie sich vorstellen können. Das allein aber reichte der promovierten Ethnologin und dem studierten Ökolandbauer nicht. Wenn wir schon ein eigenes Unternehmen gründen, sagten sie sich, dann soll es nicht nur höchsten Qualitätsansprüchen genügen, sondern auch sozial und ökologisch sein.

Frisch aus Honduras – säckeweise Rohkaffee, der extra für »nd« geröstet wird.
Frisch aus Honduras – säckeweise Rohkaffee, der extra für »nd« geröstet wird.

Beide gingen noch einmal in die Lehre: Oliver in einer Hamburger Rösterei - Nadine ließ sich zum »Q-Grader« ausbilden, das ist so etwas wie der Sommelier beim Wein. Nur 4000 Menschen weltweit dürfen sich so nennen, sind gewissermaßen die geprüften und zertifizierten feinen Zungen der Kaffeewelt.

Nach langem Suchen fanden Nadine und Oliver in Berlin-Wedding geeignete Räume für ihre Rösterei, die sie »Flying Roasters« (Fliegende Röster) nannten. Das deshalb, weil bei ihnen alle Kaffeesorten nach Vögeln benannt sind. Den Anfang machte »Nightingale«, das englische Wort für »Nachtigall«. Die Namensgebung war eine Hommage an einen Freund, der so heißt und den Unternehmensgründern bei der technischen Einrichtung der Rösterei geholfen hat. Inzwischen gibt es rund 15 verschiedene Kaffeesorten, doch »Nightingale«, deren Bohnen aus Honduras, Guatemala und Ecuador kommen, gehört nach wie vor zu den beliebtesten. Er ist kräftig geröstet, schmeckt wunderbar nach Schokolade und dunklen Beeren.

Den Rohkaffee kaufen die »Flying Roasters« in verschiedenen Ländern und grundsätzlich nur von Produzenten, die sich in kleinen Kooperativen zusammengeschlossen haben - in Guatemala, Sumatra, Kolumbien, Peru, Honduras, Äthiopien, Indien und Ecuador. Zwischenhändler gibt es nicht, und so kommt den Produzenten der gesamte Erlös zugute. Und nicht nur das: Die Käufer der Bohnen zahlen auch etwa dreimal so viel, wie auf dem Weltmarkt üblich ist. Zu einigen Kooperativen haben Nadine und Oliver direkten Kontakt und besuchen die Produzenten auch regelmäßig vor Ort. Zu weiteren halten ihn andere Röstereien. Insgesamt zwölf Unternehmen in Europa, mit gleichen sozialen und qualitativen Ansprüchen, haben sich zur Vereinigung »Roasters United« zusammenschlossen und eine dezentrale Einkaufsgenossenschaft gegründet.

»Flying Roasters« zum Beispiel halten unter anderem den direkten Kontakt zur Frauenkooperative »Aprolma« in Honduras. Sie wurde 2013 gegründet und vereinigt zur Zeit 69 Frauen. Jede von ihnen bewirtschaftet durchschnittlich 1,5 Hektar in Mischkultur. Das heißt, neben Kaffee werden auf der Fläche auch Bananen, Orangen oder Yucca angebaut. Ziel der Frauen ist es nicht nur, einen besonders hochwertigen Kaffee zu produzieren, sondern durch die Einnahmen auch jeder von ihnen und ihren Familien ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Nadine, die bereits mehrmals vor Ort war, ist fasziniert von dem solidarischen Miteinander.

»In einem Land, in dem die Rechte von Frauen permanent missachtet werden, und mit einer der höchsten Frauenmordraten weltweit, kümmert sich eine Frauenkooperative insbesondere auch um gesundheitliche und soziale Belange ihrer Mitglieder und deren Familien«, sagt sie. »Wir kaufen ihre gesamte Ernte und schließen die Verträge mit den Frauen auf gegenseitigem Vertrauen ab«, erzählt sie. »Bereits jetzt bezahlen wir 60 Prozent der zu erwartenden Ernte, obwohl wir diese erst im Juli bekommen.«

Aus der Frauenkooperative »Aprolma« kommt auch der Kaffee, den es ab sofort im nd-Shop zu kaufen gibt. Jede Tasse, die Sie, liebe Leserinnen und Leser, davon trinken, ist direkte solidarische Hilfe für die Frauen in Honduras. Also gönnen Sie sich ruhig ein Tässchen mehr, denn er geht nicht aufs, sondern ans Herz. Und wenn Sie wissen wollen, wie die anderen Sorten schmecken - seit einigen Monaten gibt es vis-à-vis der Rösterei ein kleines Café, das immer mehrere Sorten im Ausschank hat.

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