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Der Spur der Schmerzen nachgehen

Von Mario Pschera

Manche hätten sie gern dem Vergessen anheimfallen lassen, manche halten die Erinnerungen an sie hoch: Christa Wolf. Die viel Gelobte und nach der Wende viel Geschmähte starb am 1. Dezember 2011. Die Wissenschaft ist sich längst einig und zählt sie zu den bedeutendsten Autorinnen deutscher Sprache des 20. Jahrhunderts. Wolf erzählt nicht Geschichten, sie befragt und setzt sich ins Verhältnis - zu ihrer Zeit, zur deutschen Geschichte, zu den Utopien und den finsteren Abgründen. Das ist radikal subjektiv, aber keine Selbstbespiegelung - ihr ist es ernst mit dem Versprechen einer besseren Welt, und deshalb lässt sie das Hinwegwischen von Unrecht mit dem Verweis auf höhere Ziele nicht gelten. Ihre unbedingte Gläubigkeit gegenüber ihrem Staat wich der Distanzierung von der Politik, die sich so von den Idealen entfernt hatte. Nicht dass sie deshalb ins Unpolitische auswich.

»Nachdenken über Christa T.«, mehr noch »Kindheitsmuster« spüren dem Ungesagten nach, den Traumata von Flucht und Vertreibung, dem großen Schweigen über persönliche Verstrickungen in die Nazizeit, dem unaufgearbeiteten Antisemitismus in einem Staat, der aus dem Antifaschismus geboren wurde und daraus seine Legitimität zog. Erinnern heißt Verdrängtes aus Tiefenschichten hervorzuholen, zu reflektieren, es für die Gegenwart fruchtbar zu machen.

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