Auch weniger Abgehärtete baden in Finnland im Eis.
Urlaub in Finnland

Eisbaden im Floatinganzug

Skifahren im Dunkeln, Hügel statt Berge - für Gäste aus Deutschland erscheint ein Winterurlaub im Norden Finnlands wenig interessant. Wer den zweiten Blick wagt, wird überrascht.

Von Rasso Knoller

Die Hunde bellen aufgeregt. Acht Huskys sind vor den Schlitten gespannt und zerren ungeduldig an den Leinen. Dann endlich geht es los. Mit unheimlicher Kraft rennen die Hunde los, flitzen mit hechelnder Zunge dem Sonnenuntergang entgegen. Der Schnee stiebt auf. Es ist zwar erst zwei Uhr nachmittags, doch Mitte Dezember geht die Sonne In Vuokatti schon früh zu Bett. Die 6000´-Seelen-Gemeinde liegt mehrere hundert Kilometer südlich des Polarkreises, und deswegen scheint die Sonne hier auch im Winter noch ein paar Stunden.

Weiter oben, in Utsjoki, der nördlichsten Gemeinde des Landes, geht sie eineinhalb Monate nicht auf - zwischen 26. November und 17. Januar hat sie dort ihren Jahresurlaub gebucht. Trotzdem: Angst vor einem Urlaub in totaler Dunkelheit muss keiner haben. Selbst wenn die Sonne nicht über den Horizont klettert, beleuchtet sie doch für einige Stunden am Tag von unten die Szenerie und taucht das Land in ein magisches Licht, der Himmel schimmert in unterschiedlichsten Rottönen. Und dann ist ja dann noch das Nordlicht. Je weiter man in Norden kommt und je kälter es ist, desto größer ist die Chance, es zu sehen. In Vuokatti hat man also ganz gute Möglichkeiten, das Himmelsschauspiel zu erleben. Dann leuchtet das Firmament grün, blau oder rot, wie eine aufgescheuchte Tierherde rasen die Lichter über den Himmel, mal hierhin mal dorthin. Nie gleicht ein Nordlicht dem anderen. Wie beim Menschen gibt es schüchterne und wilde, vorlaute und zurückhaltende. Das eine begnügt sich bescheiden mit einer Ecke des Himmels, das andere nimmt fordernd das ganze Firmament ein. Und das dritte vereint beide Charaktere. In der einen Minute verharrt es ruhig und unbeweglich, nur um sich wenig später wie eine wild flackernde Feuersbrunst über den Himmel auszubreiten.

Vuokatti ist eines der bekanntesten finnischen Skiressorts, und zugleich eines der ältesten. Schon in den 1940er Jahren kamen die ersten Skitouristen hierher - damals waren es sportlich ambitionierte Langläufer, die in der örtlichen Sportschule trainierten. Heute kommen Ski- und vor allem Wintertouristen aus aller Welt. Denn Vuokatti bietet weit mehr als eine Handvoll Abfahrtsstrecken und endlose Skiloipen im Wald.

Wir hierherkommt, will den echten Winter erleben - während man in den Alpenregionen mit Schneekanonen verzweifelt gegen den Klimawandel anschießt, macht der Winter im Norden noch was er soll. Er ist schneereich und knackig kalt. Den Hunden jedenfalls gefallen die zweistelligen Minusgrade, sie haben schon den ganzen Sommer müßiggängerisch den winterlichen Einsatz herbeigesehnt.

Der Schnee ist auch die Spielwiese für Winterradler - Fatbike Touren sind in den vergangenen Jahren immer populärer geworden. Allerdings sollten sich eigentlich nur die wirklich Fitten auf die Räder mit den dicken Reifen setzen - in Vuokatti haben aber auch Anfänger eine Chance. Auf dem Nuasjärvi, dem Haussee des Ortes, werden im Winter Skiloipen gespurt und Fahrwege freigeräumt - und daraus können auch Fatbike-Rookies ihr Gerät auf Geschwindigkeit bringen. Weniger anstrengend, dafür aber deutlich lauter, ist man mit dem Motorschlitten unterwegs. Der ist im Norden Finnlands nicht nur Sportgerät, sondern ein normales Beförderungsmittel. Entsprechend umfangreich ist das Wegenetz, Verleihstationen gibt es an jeder Ecke.

Neulinge, und dazu gehören wohl die meisten Besucher aus Mitteleuropa, buchen sich am besten auf geführte Touren ein. Wem es mehr um das Erlebend der nordischen Winternatur geht, fährt mit einem Guide die Berge hinauf und durch den Winterwald. Adrenalinjunkies entscheiden sich für geführte Fahrten über den zugefrorenen See, denn auf ebener Strecke können auch Anfänger bald schon Höchstgeschwindigkeit fahren. Seit einigen Jahren kann man den See in Vuokatti aber auch zum Winterbaden nutzen. Allerdings steigt man dann nicht in Badehose ins eiskalte Eisloch, sondern lässt sich im gut isolierten Floatinganzug an den Eisschollen entlang treiben. Sich einfach treiben zu lassen, gehört eben auch in Finnland zu einem gelungenen Urlaub.