Die Wissenschaftspleiten des Jahres

US-Präsident Donald Trump und seine rechtspopulistischen Nachahmer haben es in diesem Jahr auf den ersten Platz der Wissenschaftspleiten im Fachblatt »Science« geschafft. Der Grund: ihre offensichtliche Ignoranz gegenüber jeglicher wissenschaftlichen Erkenntnis, die nicht in ihr Weltbild passt. Während in diesem Jahr das Ausmaß der durch die Klimaerwärmung ausgelösten Katastrophen unübersehbar zunahm - Rekorddürren in Europa und Südafrika, riesige Waldbrände im Westen der USA, Wirbelstürme und Überschwemmungen in anderen Teilen Amerikas und im östlichen Pazifik -, erklärte die Sprecherin des US-Präsidenten, dass wissenschaftliche Analysen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels »nicht auf Fakten basieren«. Ähnliches ist aus der rechten Regierung Österreichs und vom neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro zu hören. Die Kluft zwischen dem wissenschaftlich erkannten Handlungsbedarf und der tatsächlichen Politik wird immer größer.

Der Brand des 200 Jahre alten brasilianischen Nationalmuseums in Rio de Janeiro im September ist für »Science« ein Menetekel der Entwicklung im größten Land Südamerikas. Schon in den letzten fünf Jahren wurde dort die Finanzierung der Forschung um mehr als 50 Prozent gekürzt, der neue Präsident drohte mit weiteren Kürzungen an den angeblich »linken« Universitäten.

Eine spektakuläre Meldung dieses Jahres belegt Platz drei in der »Science«-Pleiteliste: Die Behauptung eines chinesischen Forschers im November, er habe mit der Geneditiermethode CRISPR menschliche Zwillinge so verändert, dass sie gegen HIV resistent seien. Die Methode selbst war für die Zeitschrift der »Durchbruch des Jahres« 2016, doch bei dem Experiment von He Jiankui aus Shenzhen seien weder die ethischen Kriterien, auf die sich die wissenschaftliche Gemeinschaft geeinigt hat, eingehalten worden noch folge die Veröffentlichung der Ergebnisse auf einer Pressekonferenz nach streng geheimen Versuchen der korrekten wissenschaftlichen Praxis. Mangels wissenschaftlicher Veröffentlichung könne niemand prüfen, ob die beiden Babys tatsächlich die verkündeten Eigenschaften besitzen. Nicht zuletzt wegen der sehr kontroversen Debatte unter Genforschern dürfte He es auch auf die Liste der zehn wichtigen Leute für die Wissenschaft im Jahr 2018 beim britischen Konkurrenzjournal »Nature« geschafft haben. StS