US-Steuerpolitik

Geschenkt und verbrannt

Stephan Kaufmann über die US-Unternehmenssteuern

Von Stephan Kaufmann

In Europa fordern Politiker Steuersenkungen für Unternehmen. In den USA hat man dies schon umgesetzt. Die daraus resultierenden Einnahmeausfälle kompensiert der US-Staat mit erhöhter Verschuldung. Im Klartext: Die Gesellschaft borgt sich hunderte von Milliarden und schenkt sie den Unternehmen. Ergebnis: Die Konzerngewinne steigen dieses Jahr um etwa ein Fünftel, die Gewinnspannen sind so hoch wie zuletzt 1990.

Und was machen die Firmen mit dem geschenkten Geld? Erhöhen sie Löhne? Kaum, denn dazu zwingt sie in den weitgehend gewerkschaftsfreien USA niemand. Errichten sie neue Fabriken, schaffen sie Jobs? Ein wenig. Die flauen Konjunkturaussichten rechtfertigen aber keine starke Expansion.

Also wohin mit dem Geld? Die Unternehmen bringen es an die Börse und kaufen eigene Aktien zurück. In den ersten neun Monaten haben sie dafür fast 600 Milliarden Dollar ausgegeben. Das freut die Aktionäre, weil dadurch der Kurs steigt. Zu dumm, dass in den letzten Wochen die Börsenkurse abgestürzt sind, weil die Anleger ein schwächeres Wachstum 2019 erwarten. 7000 Milliarden Dollar Börsenwert - verbrannt in nur drei Monaten. Die Moral: Einfach nur den Unternehmen Geld schenken, schafft keinen Reichtum. Nicht mal für das eine Prozent.