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Eine schwierige Suche

Volkhard Knigge, Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, tritt 2020 ab

  • Von Sebastian Haak, Weimar
  • Lesedauer: 4 Min.

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Für Menschen, die nicht - oft unter prekären Bedingungen - an einer Hochschule arbeiten, sind Stellenanzeigen zum akademischen Arbeitsmarkt in der Regel nicht interessant. Nicht einmal dann, wenn es in diesen Anzeigen ausnahmsweise nicht um befristete Teilzeitverträge geht. Selbst dann, wenn ordentliche Universitätsprofessuren zu besetzen sind, erfahren solche Jobangebote außerhalb der akademischen Gemeinschaft meist nur selten Beachtung.

Bei einer der jüngst ausgeschriebenen Stellen der letzteren Kategorien ist das freilich ein Fehler. Denn mit der Stellenausschreibung, die die Friedrich-Schiller-Universität Jena und die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora vor einiger Zeit veröffentlicht hatten, kündigt sich eine Zeitwende in der deutschen Gedenkstättenlandschaft an, kündigt sich an, dass eine Ära zu Ende geht. Denn keine andere Position wollen die beiden Institutionen gemeinsam neu besetzen, als jene des Direktors der Stiftung, der gemeinhin als Leiter der Gedenkstätte Buchenwald vorgestellt wird. Seit 1994 hat Volkhard Knigge diese Position inne. Nicht nur, weil er damit seit fast einem Vierteljahrhundert an der Spitze der Stiftung steht, darf er als der national und international wohl profilierteste Leiter einer deutschen KZ-Gedenkstätte gelten.

Denn Knigge hat in all den Jahren unglaublich viel für die Erinnerung an den Schreckensort Buchenwald geleistet: Unter seiner Leitung wird in den 1990er Jahren die Erinnerung an das - am Ende des Zweiten Weltkrieges - größte Konzentrationslager im Deutschen Reich der DDR-Verklärung entrissen. Dort wird heute nun auch der vielen bis zum Ende der DDR vergessenen Opfer- und Widerstandsgruppen des Lagers gedacht. Dieser Prozess geschieht nicht ohne heftige erinnerungspolitische Kämpfe - in deren Zentrum immer wieder Knigge steht, dem es aber doch oft gelingt, einen Ausgleich zwischen den verschiedenen Opfergruppen zu schaffen. So wird er der Vielfalt historischer Erfahrungen gerecht, ohne zu vergessen, dass Geschichte zwar in Grautönen gezeichnet werden muss; dass in der Geschichte von Buchenwald aber auch Opfer und Täter klar als solche zu benennen sind. Immer stemmt er sich deshalb gegen geschichtsrevisionistische Tendenzen. Bis heute tut er das, weshalb er sich in den vergangenen Jahren immer wieder scharfe Auseinandersetzungen unter anderem mit AfD-Politikern wie Björn Höcke oder Stephan Brandner geliefert hat.

Dass die Friedrich-Schiller-Universität an der Stellenausschreibung zur Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin für Knigge beteiligt ist, liegt daran, dass der 64-Jährige dort seit vielen Jahren Professor ist: Im Jahr 2002 war er zum Honorarprofessor für Geschichte und Öffentlichkeit ernannt worden, seit 2007 leitet er den Lehrstuhl für Geschichte in Medien und Öffentlichkeit am Historischen Institut der Hochschule. Und diese Kombination von Stiftungsleitung und Hochschulprofessur soll auch in Zukunft erhalten bleiben. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin Knigges soll gleichzeitig eine entsprechende W3-Professur an der Friedrich-Schiller-Universität bekommen.

Schon wegen der Verbindung von Stiftungsleitung und Hochschultätigkeit, heißt es innerhalb der Stiftung als auch aus ihrem Umfeld, es werde alles andere als einfach, einen Neuen zu finden, der Knigges Aufgaben bald übernehmen soll; ganz abgesehen von den riesigen Fußstapfen, die er durch sein Wirken hinterlässt. Die Stelle ist zum 1. April 2020 ausgeschrieben. Stiftungsintern soll Knigge schon vor Monaten angekündigt haben, die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag der Befreiung Buchwalds - die am 11. April 2020 begangen werden - wolle er noch mitgestalten; und dann in den Ruhestand gehen.

Auch die entsprechende Stellenausschreibung lässt keinen Zweifel daran, wie hoch die Anforderungen an Knigges Nachfolger sind: Gesucht wird danach eine »erfahrene Persönlichkeit«, die sich in der Geschichte des 20. Jahrhunderts - »mit Schwerpunkt vorzugsweise auf den Gebieten der Geschichte des Nationalsozialismus und/oder der deutschen Nachkriegsgeschichte« - auskennt. Zugleich soll sie Erfahrungen in der konzeptionellen Arbeit von Gedenkstätten, Museen oder vergleichbaren Institutionen haben und mit gesellschaftlichen Gruppen arbeiten können, die im Bereich der Erinnerungskultur aktiv sind. Außerdem soll diese Persönlichkeit Erfahrung im Umgang mit Medien und Öffentlichkeit mitbringen, Drittmittel einsammeln und etwa 50 Beschäftigte führen sowie einen Jahresetat von mindestens etwa 7,5 Millionen Euro verwalten können.

Inzwischen ist die Bewerbungsfrist abgelaufen. Aber selbst daraus, wie viele Menschen ihr Interesse an dem Job - der eigentlich mehrere Jobs umfasst - bekundet haben, macht die Universität ein Geheimnis. »Zu laufenden Berufungsverfahren geben wir keine Auskünfte«, sagt ein Sprecher der Hochschule. Immerhin sagt er: Die Bewerbungen würden nun durch eine Berufungskommission geprüft, dann würden die geeigneten Bewerber zu Probevorträgen eingeladen. Und es würden auch noch externe Gutachten eingeholt. Nach weiteren Schritten des Berufungsverfahrens erhalte dann jemand einen Ruf an die Hochschule - und in diesem Fall gleichzeitig an die Spitze der Stiftung.

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