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Erste Sahne, zweiter Platz

Die Vierschanzentournee entwickelt sich zum Duell zwischen Ryoyu Kobayashi und Markus Eisenbichler

  • Von Lars Becker, Garmisch-Partenkirchen
  • Lesedauer: 4 Min.

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Einen Moment lang blitzte ein klein wenig Enttäuschung in den Augen von Markus Eisenbichler auf, dann verneigte er sich vor seinem großen Konkurrenten Ryoyu Kobayashi. Vor 21 000 begeisterten Zuschauern hatte es für den neuen deutschen Hoffnungsträger auf den Schanzen beim Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen wieder »nur« zu Platz zwei gereicht. Nachdem beim Auftakt in Oberstdorf umgerechnet 22 Zentimeter zum ersten Weltcupsieg seiner Karriere gefehlt hatten, war es beim Sprung ins neue Jahr gut 1,05 Meter.

Dennoch hat Eisenbichler damit bei Halbzeit der Tournee noch beste Chancen auf den ersten deutschen Gesamtsieg seit 17 Jahren. »Ich fühle mich ähnlich wie in Oberstdorf. Schon wieder Podium - ich bin megahappy. Aber ich hatte schon gehofft, dass es vielleicht reicht. Dann strenge ich mich eben an, dass es in den nächsten Tagen mal passiert mit dem Sieg«, sagte Eisenbichler direkt im Anschluss. Als er nach seinem zweiten Sprung gelandet war, wurde er im Auslauf von allen deutschen Teamkollegen empfangen und umarmt. Schon im ersten Durchgang hatte Eisenbichler für Gänsehaut unter seinen Tausenden Fans gesorgt. Als er bei der Bestweite von 138 Metern gelandet war, ballte er die Faust und peitschte die tobenden Zuschauer noch weiter auf.

Bundestrainer Werner Schuster war fast komplett zufrieden: »Der erste Sprung von Markus war erste Sahne. Aber im zweiten Sprung war ein leichter Fehler drin, so war die Tür wieder etwas offen für Koyayashi, der verdient gewonnen hat.« So blieb also wieder nur Platz zwei für seinen Schützling, weil der japanische Überflieger trotz schlechterer Windbedingungen keine Nerven zeigte und den sechsten Saisonsieg im neunten Springen perfekt machte. Vielleicht ist es aber sogar ein Vorteil, wenn Eisenbichler bei den zwei anstehenden Tourneespringen in Österreich von hinten angreifen kann. Das glaubt zumindest Schuster: »Er ist in einer guten Position und war schon vor zwei Jahren unser bester Springer bei der Tournee. Er kennt den Tumult.« Und der Rückstand von 2,3 Punkten ist minimal.

Ganz offensichtlich hat sich Eisenbichler endlich auch mental im Griff. Über Monate hinweg hatte er schon das Niveau im Training bestimmt, im Wettbewerb flatterten jedoch oft die Nerven. Ausgerechnet beim ersten Saisonhöhepunkt springt er nun so gut wie nie zuvor. Dabei liegt eine der größten Enttäuschungen seiner Karriere nur zehn Monate zurück: Eisenbichler musste in Pyeongchang überraschend zuschauen, wie seine Teamkollegen Olympiasilber im Teamwettbewerb gewannen. Er wurde direkt vor dem Wettbewerb aussortiert - trotz guter Form.

Eisenbichler ist einer, der nach Abstürzen immer wieder aufsteht. So war es auch im September 2012, als er bei einem Trainingsversuch in Oberstdorf nach dem Absprung die Kontrolle verlor und kopfüber auf den Hang stürzte. Der dritte Brustwirbel war gebrochen, vier weitere angebrochen, ein Leben im Rollstuhl drohte. »Als ich da unten lag und erstmal nichts mehr spürte, habe ich gedacht, dass es das jetzt mit dem Skispringen war«, erinnert sich Eisenbichler an die dramatischen Momente und die Zeit danach: »Als ich dann im Krankenhaus lag, hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Ich habe mir gesagt: Falls ich wieder fit werde, probiere ich es noch mal. Dann aber nicht mehr mit 80 Prozent. Sondern unter dem Motto ›Alles oder Nichts‹.«

Genau so wird er auch den Rest der Tournee angehen, selbst wenn er sich auf den Ruhetag an diesem Mittwoch freute: »Es ist so viel Trubel. Ich will mal meine Ruhe haben.« Die tut auch dem Rest des deutschen Teams gut. Stephan Leyhe überzeugte zwar als Siebter, aber Olympiasieger Andreas Wellinger und Ex-Weltmeister Severin Freund scheiterten wie in Oberstdorf in Durchgang eins. Für Freund ist die Tournee damit beendet, seinen Platz bekommt der 19-jährige Constantin Schmid. »Es ist für Severin sicher eine Befreiung, wenn wir in rausnehmen«, sagte Trainer Schuster.

Ebenfalls schon im ersten Wettkampfsprung des neuen Jahres endeten alle Tourneeträume für den Oberstdorf-Dritten Stefan Kraft, der nur Platz 48 belegte. Nach dem Debakel ausgerechnet vor den Heimspringen in Innsbruck (4. Januar) und Bischofshofen (6. Januar) hat Österreich also keinen Sieganwärter in der Gesamtwertung mehr.

Deutschland schon - allerdings wartet nun die Schicksalsschanze von Innsbruck. Im vergangenen Winter war Richard Freitag bei den deutschen Tourneespringen ebenfalls zweimal auf Platz zwei gelandet, bevor er in Innsbruck stürzte.

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