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Kurden jetzt Seite an Seite mit Assad

Vorerst kein türkischer Vormarsch in Syrien

  • Von Roland Etzel
  • Lesedauer: 3 Min.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte vor zwei Wochen eine erneute Invasion der Kurdengebiete Syriens angedroht. Noch ist nichts dergleichen geschehen, aber auf die politische Landkarte in Nordsyrien hat es bereits Auswirkungen gehabt. Die quasi autonom verwalteten kurdischen Gebiete, die sich bislang unter einem Schutzschirm der US-Luftwaffe und diverser Ausbildereinheiten am Boden wähnten, haben nach der unerwarteten Erklärung von Präsident Donald Trump, seine Einheiten zurückzuziehen, schnell gehandelt.

Den kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) ist wohl sehr klar, dass sie einem ernsthaften türkischen Vormarsch wenig entgegenzusetzen haben, weshalb sie vorige Woche bei der syrischen Regierung um Hilfe nachsuchten. Das Generalkommando der YPG teilte mit, dass man die syrischen Regierungseinheiten »eingeladen« habe, nach Nordsyrien zu kommen und die Kontrolle über das Gebiet rund um Manbidsch zu übernehmen.

Dies war wohl nur noch ein formaler Akt, denn schon einen Tag später hieß es vom Oberkommando in Damaskus, Regierungstruppen seien in das Gebiet verlegt worden und hätten ihre Fahne in Manbidsch gehisst. Syriens Präsident Baschar al-Assad stellt dies allerdings nicht als Hilfe für die YPG dar. Aus Damaskus hieß es, die Regierungstruppen kämen ihrer Verpflichtung nach, die staatliche Souveränität auf dem gesamten syrischen Staatsgebiet sicherzustellen.

Bereits vor knapp einem Jahr hatten auf Regierungsseite stehende Syrer, damals offiziell Freiwillige, die Region Afrin im Nordwesten Syriens, einen der drei Gründungskantone der kurdischen Autonomie - genannt Rojava - gegen türkische Angreifer mitverteidigt, ohne indes den Verlust des Gebiets verhindern zu können.

Jetzt liegen die Dinge anders. Erdogans Truppen müssten gegen reguläre syrische Einheiten vorgehen, die mit russischer Unterstützung agieren. Nach den wiederholten russisch-türkischen Absprachen in jüngster Zeit ist derzeit folglich nicht damit zu rechnen, dass es zu einem syrisch-türkischen Waffengang kommt. Dies auch, weil die Türkei nun keinen Vorwand mehr hat für einen Angriff auf die YPG, denn, so hieß es am Mittwoch in einer Erklärung des syrischen Verteidigungsministeriums in Damaskus, kurdische Truppen seinen aus der Stadt Manbidsch abgezogen.

Erdogan sah darin wohl die Gelegenheit, ein Stück zurückzurudern. Darauf deutet seine Erklärung hin, dass »die Gebiete um Manbidsch zu Syrien« gehörten. »Unser oberstes Ziel ist es sicherzustellen, dass alle Terrorgruppen das Gebiet verlassen.« Damit haben am Ende alle drei militärisch involvierten Seiten - Kurden, Syrer, Türken - Erklärungen zur Situation abgegeben, die mit ihren tatsächlichen Intentionen wenig zu tun haben, wohl eine Art höherer Kriegsdiplomatie eben.

Von Trump war am Mittwoch einmal mehr Wolkiges über den US-Abzug aus Syrien zu vernehmen: Was den Zeitpunkt betrifft, habe er nichts festgelegt. Außerdem: In Syrien gehe es nicht um »gewaltigen Reichtum«, so Trump. »Wir reden über Sand und Tod.«

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