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  • Berlin
  • Streik der Sicherheitsleute

Billige Flughafensicherheit

Rund 500 Beschäftigte der Berliner Airports Tegel und Schönefeld streiken für mehr Lohn

  • Von Marion Bergermann
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Sicherheitsleute am Flughafen Tegel pusten in ihre Trillerpfeifen und machen ordentlich Lärm: Seit 5 Uhr morgens haben sie an diesem Montagmorgen ihre Arbeit niedergelegt, ebenso wie ihre Kolleg*innen in Schönefeld. Das Sicherheitspersonal streikt, um nach vier ergebnislosen Tarifverhandlungen zwischen der Gewerkschaft ver.di und dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) ihren Forderungen vor der nächsten Runde am 23. Januar Nachdruck zu verleihen.

Ver.di fordert eine bundesweite Erhöhung des Stundenlohns auf 20 Euro. Derzeit verdienen die Beschäftigten in der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Berliner Flughäfen 17,12 Euro pro Stunde. Geht es nach ver.di und den Beschäftigten, sollen auch Überstunden und Wochenendschichten besser bezahlt werden und Mitarbeiter*innen in Ost und West das gleiche Gehalt erhalten. Ein bundesweiter Tarifvertrag soll her.

Laut ver.di bot der BDLS in der letzten Verhandlungsrunde im Dezember letzten Jahres eine Lohnerhöhung von zwei Prozent pro Jahr bei einer zweijährigen Vertragslaufzeit an. Der BDLS widerspricht: In den Sondierungen sei signalisiert worden, »dass wir den Startwert von zwei Prozent - und damit entsprechend auch alle anderen Erhöhungen - noch erhöhen würden«. Die Geschäftsführerin des BDLS, Cornelia Okpara, spricht von »völlig utopischen Forderungen«, von denen die Gewerkschaften nicht abweichen würden.

In Tegel und Schönefeld arbeiten laut ver.di rund 3000 Beschäftigte in der Flugsicherheit. Die meisten sind bei privaten Sicherheitsfirmen angestellt. Deutschlandweit sind es demnach rund 23 000 Personen. Gestreikt haben nach Angaben von ver.di rund 500 Sicherheitsangestellte, die meisten davon am Tegeler Flughafen.

Dort laufen die Streikenden in ihren neongelben und orangenen Warnwesten pfeifend an den Bushaltestellen vorbei, ein Fahrer der TXL-Linie hupt zustimmend. Ein Streikender, der sich Homer nennt und seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist nicht nur wegen des Geldes hier, sondern auch wegen der Arbeitsbedingungen: »Es ist wirklich viel Stress. Das Arbeitspensum wird immer höher, der Lohn aber nicht.«

Auch Mitglieder der Gewerkschaft dbb Beamtenbund und Tarifunion streiken mit. »Wenn Sie richtiges Chaos sehen wollen, dann gehen Sie zu Terminal C. Da lassen sie die Flugzeuge leer abfliegen!« sagt eine junge Frau wütend dem »nd«. Mit Tränen in den Augen stürmt sie weiter. In Terminal C steht an einem der zwei Eingänge zur Personenkontrolle alles still. Keine Security ist zu sehen. Die Schlange von Wartenden davor ist dafür etwa 100 Meter lang, am anderen Eingang noch länger. Das ändert sich auch nach dem Ende des Streiks um 8.45 Uhr nicht. »Das ist ja echt unglaublich«, sagt eine Frau mit Gepäck zu ihrer Begleitung, als sie sich an den vielen anderen Reisenden vorbeidrängt.

Auf den Anzeigetafeln ist abzulesen, dass viele Fluggesellschaften von Annullierungen betroffen sind, unter anderem Easyjet, Lufthansa und Swiss. Laut Katrin Westhölter, Pressesprecherin der Berliner Flughäfen, mussten an diesem Montag rund 50 Flüge in Tegel und fünf in Schönefeld gestrichen werden.

Udo Beyer, Gewerkschaftssekretär Wach- und Sicherheitsdienste bei ver.di, sprach vor Ort von einem erfolgreichen Streik. »Und wir haben den Warnstreik früh angekündigt, um den Schaden für Passagiere und Airlines gering zu halten.« Man habe das Ende der Berliner Schulferien abgewartet, um so wenige Familien wie möglich zu treffen. Beyer geht davon aus, dass »vor dem 23. Januar noch Streiks erfolgen, sollte kein Angebot kommen«. Auch ver.di-Sprecher Andreas Splanemann schloss das nicht aus. »Wir hoffen, dass die Arbeitgeber dieses Signal aufnehmen und ein verbessertes Angebot vorlegen«, sagte er.

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