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Verlogene Aufregung

Ein Kommentar zum Angriff auf den Bremer AfD-Politiker Frank Magnitz

  • Von Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

Die AfD stellt sich gerne als Opfer dar. Mal sind es die Medien, die sich angeblich gegen sie verschworen haben. Mal »die Antifa«, die ihnen, den vermeintlich Aufrechten in »unserer grün-versifften Demokratie«, das Leben zur Hölle machen will. Letztere wird nun für den Angriff auf den Bremer AfD-Chef und Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz verantwortlich gemacht. Dabei ist bisher völlig unklar, wer hinter dem Angriff vom Montag in der Bremer Innenstadt steckt, bei dem der Politiker schwer verletzt wurde.

Das aber hält weder die Partei noch ihre Sympathisanten davon ab, reflexartig Antifaschisten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Zumindest auf Twitter ist die Sache sonnenklar: »MdB Frank #Magnitz von der AFD wird von der Antifa halb tot geprügelt«, schreibt einer. Ein anderer kramt die ganz grobe Kelle raus: »Unfassbar, traurig, so weit ist nun bereits in Deutschland! Die exakt gleichen Methoden wie die Nazis damals!!!« Die Partei selbst macht in einer Mitteilung sogar die politische Konkurrenz für die Tat mitverantwortlich: »Nicht nur die LINKEN, sondern auch SPD und die Grünen unterstützen die Antifa und ihre Angriffe. Ist es das, was die anderen politischen Kräfte wollen? Ist das Ihr Verständnis von Demokratie?«

Nach Darstellung der AfD soll Parteifreund Magnitz nach einem Neujahrsempfang des »Weser-Kurier« von »drei vermummten Männern« mit einem »Kantholz« geschlagen worden sein. Die Angreifer ließen offenbar auch nicht von von dem Mann ab, als er am Boden lag und traten weiter auf ihn ein. »Dem couragierten Eingriff eines Bauarbeiters ist es zu verdanken, dass die Angreifer ihr Vorhaben nicht vollenden konnten und Frank Magnitz mit dem Leben davongekommen ist.« Momentan ist noch offen, was sich in der Hansestadt vor dem Theater am Goetheplatz zugetragen hat. Falls es so ist, wie die Partei es schildert, war der Angriff feige, hinterhältig und brutal - und somit mit einer linken Überzeugung nur schwer zu rechtfertigen.

Und dennoch ist nur Mitleid für Frank Magnitz unangebracht. Denn seine Partei hetzt in schöner Regelmäßigkeit gegen Flüchtlinge, macht Linke für eine angebliche »Umvolkung« durch Migranten aus Afrika und dem Nahen und Mittleren Osten verantwortlich und relativiert die Verbrechen, die von Deutschen in dunkelster Vergangenheit verübt wurden. Sprich: Sie tritt nicht nur die Menschenwürde mit Füßen, sondern schürt auch Hass, der sich immer wieder in Hetzjagden gegen Menschen mit Migrationshintergrund (Stichwort: Chemnitz) entlädt. Dass nach dem Angriff auf Magnitz nun ausgerechnet AfD-Politiker sich fürchterlich aufregen, ist deshalb auch verlogen.

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