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  • Seenotrettung im Mittelmeer

Schändlicher Rekord

Seenotretter von »Sea-Watch« und »Sea-Eye« beklagen nach 18 Tagen ohne sicheren Hafen »Notsituation«

  • Von Sebastian Bähr
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die zivilen Seenotrettungsorganisationen Sea-Watch und Sea-Eye fordern eine rasche Lösung für die 49 Geflüchteten, die nun seit 18 Tagen auf zwei Schiffen vor der europäischen Küste ausharren müssen. Vertreter beider Initiativen kritisierten am Dienstag in Berlin die EU und die Bundesregierung für ihre Blockadehaltung. »Es scheint darum zu gehen, die Retter möglichst lange aus dem Einsatzgebiet herauszuziehen«, sagte der Einsatzleiter des Rettungsschiffes »Sea-Watch 3«, Philipp Hahn.

Dass die Schutzsuchenden so lange auf einen Hafen warten, sei ein »neuer und schändlicher Rekord«, fügte Alina Krobok, Sprecherin von Sea-Watch, hinzu. In so einem Zusammenhang noch von europäischer Solidarität zu sprechen sei absurd. »Ein Innenminister, der solches Leid bewusst zulässt, muss aus unserer Sicht zurücktreten«, forderte Krobok. Was derzeit passiere, sei nichts anderes als »europäische Geiselhaft«.

Der Grünen-Politiker und »Sea-Eye«-Sprecher Erik Marquardt nahm ebenfalls Horst Seehofer in Verantwortung. »Es wäre schön, wenn es eine europäische Lösung gäbe«, so Marquardt. »Wenn diese nicht zustande kommt, muss ein einzelner Staat vorangehen – vor allem, wenn es um so wenige Leute geht.« Die Bundesregierung hatte zuletzt betont, nur im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Lösung zur Aufnahme der Menschen bereit zu sein. Nach Angaben der Bewegung »Seebrücke« haben sich indes mehr als 30 Städte und mehrere Bundesländer zur Übernahme der Schutzsuchenden bereit erklärt. Diese bedarf jedoch der Zustimmung des Bundesinnenministeriums.

Vertreter beider Rettungsorganisationen betonten am Dienstag, dass aktuell eine akute »Notsituation« auf den Schiffen vorliege. Die Wasseraufbereitungslage auf der »Sea-Watch 3« sei defekt, man habe begonnen, Trinkwasser zu rationieren. Beengte Verhältnisse, traumatische Erfahrungen der Geflüchteten und stürmisches Wetter würden die Situation weiter erschweren. »Für gesunde Leute ist Seekrankheit kein Problem, aber bei geschwächten Personen kann sie lebensgefährlich sein«, sagte »Sea-Watch«-Medizinerin Verbena Bothe. »Wir erleben eine extreme Belastung für die Crew und die 32 Schutzsuchenden, die Verzweiflung unter ihnen wächst.«

Der Verein Sea-Eye hatte am Montagabend entschieden, aufgrund der ungewissen Lage seine Folgemission abzusagen. Das Rettungsschiff »Professor Albrecht Penck« werde im Einsatzgebiet so mindestens drei Wochen fehlen, berichtete die Organisation. Auch die Crew der »Sea-Eye« beklagte Wassermangel. »Besatzung und Gäste beschreiben schwere Erschöpfungszustände«, teilte der Verein mit.

Die »Sea-Watch 3« hatte am 22. Dezember nahe der libyschen Küste 32 Bootsflüchtlinge gerettet. Eine Woche später nahm das unter deutscher Flagge fahrende Schiff »Professor Albrecht Penck« der Organisation »Sea-Eye« 17 Schutzsuchende an Bord.

In der Politik mehren sich Stimmen, die ein Einlenken der EU und von CSU-Innenminister Seehofer fordern. »Die Lage der Menschen auf den zwei Rettungsschiffen ist unmenschlich, sie müssen sofort in einen sicheren Hafen gebracht werden«, sagte am Dienstag der LINKE-Abgeordnete Michel Brandt. Jede weitere Verzögerung sei ein klarer Verstoß gegen das Seerecht. Der Innenminister müsse auf niemanden warten, um die Angebote der deutschen Städte anzunehmen. »Anstatt Verantwortung zu übernehmen, sieht Horst Seehofer aber seit über zwei Wochen zu, wie die Geflüchteten auf dem Mittelmeer leiden.« Dies müsse ein Ende haben.

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