Werbung

Wo Plastik Vögel tötet

Bedenklicher Bericht zum Zustand der Nordsee - Belastung durch Müll und Schadstoffe bereitet Sorgen

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Aua - das hat gepiekt in der Fußsohle! Der Frühaufsteher hat beim Spaziergang am Strand bei Cuxhaven kurz die Schuhe ausgezogen, will den Sand genießen, spürt stattdessen schmerzhaft eine Plastikgabel. Ist sie angeschwemmt worden? So wie auch das Kunststoffnetz, das wenige Meter weiter liegt? Durchaus anzunehmen, sind doch auf 100 Metern Nordseestrand bis zu 389 Müllteile zu finden, und davon bestehen 90 Prozent aus Plastik.

Diese traurige Bilanz ist Teil des nationalen Zustandsberichts zur Nordsee, mit dem der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies den Appell verband: »Verbraucher sollten, so weit es geht, Plastikmüll vermeiden, auf Einwegverpackungen verzichten und beispielsweise beim Kauf von Getränken auf Mehrwegflaschen setzen.« Nach wie vor gelange Abfall ins Meer, und es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Belastung der Nordsee mit Müll abnehme, bedauerte Lies bei der Vorstellung des Berichts.

Positiv äußerte er sich über das Plastikmüllverbot der EU, das unter anderem Trinkhalme und Wattestäbchen in den Fokus rückt. Gerade die kleinen Plastikabfälle seien ein großes Problem, gab der Minister zu bedenken. »Durch Wind und Wetter wird solcher Müll zu Mikroplastik, und es ist zu befürchten, dass dieses sich mittelfristig über die marine Nahrungskette auch in unserem Essen wiederfindet«, warnte Lies.

Er verwies in diesem Zusammenhang auf Untersuchungen an Eissturmvögeln, die tot an der Nordseeküste gefunden wurden. Rund 60 Prozent dieser Tiere hatten mehr als 0,1 Gramm Kunststoff im Magen. Plastik wird von den Vögeln für Nahrung gehalten, kann die Verdauungsorgane verstopfen und zum Tod durch Verhungern führen. Niedersachsen, so Lies, habe gemeinsam mit dem Bundesumweltministerium und dem Umweltbundesamt den »Runden Tisch Meeresmüll« eingerichtet. Er hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, das Wiederauffinden verloren gegangener Fischernetze zu verbessern.

Verbessert werden könnte der Zustand der Nordsee auch durch Abbau der übermäßigen Belastung durch Düngemittel. Gemeinsam mit der Landwirtschaft müssten Maßnahmen zur Nährstoffreduktion ergriffen werden, sagte der Minister.

Nicht zuletzt bereiten Schadstoffe erhebliche Sorgen, die in die Nordsee gelangen, und zwar in umweltschädlichen Konzentrationen. Das gilt auch für Verschmutzungen durch Rohöl und ähnliche Verbindungen, heißt es im Bericht. Bei jedem Schadstoffunfall auf See, so Lies, müsse sich das Notfallmanagement erneut beweisen, und aus jeder Havarie müssten Verbesserungen abgeleitet werden.

Zu solchen Verbesserungen zählt Lies auch die Ausstattung von Gefahrgutcontainern auf Schiffen mit Peilsendern. Er meint: Damit hätte man die entsprechend beladenen Transportbehälter, die unlängst vom Frachter »Zoe« in die See gestürzt waren, längst gefunden. Niedersachsen wolle sich mit einer Bundesratsinitiative dafür einsetzen, dass solche Sender zur Pflicht werden, kündigte der Umweltminister an.

Auf Kritik stieß sein Bericht bei der oppositionellen Landtagsfraktion der Grünen. So rügte deren umweltpolitische Sprecherin Imke Byl: Ständig nur den Zustand der See zu beschreiben, reiche nicht aus. Die Regierung müsse »konkrete Maßnahmen ergreifen, um «die Plastikflut zu stoppen». Und die Kosten für Strandreinigungen und Abfallentsorgung an den Küsten sollten auf die Verursacher umgelegt werden, also «auf Plastikindustrie und Handel», fordert die Abgeordnete.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen