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»Homohass-Manifest« sorgt für Unruhe

In den Niederlanden löst die »Nashville-Erklärung« eine gesellschaftliche Kontroverse aus

  • Von May Naomi Blank, Nijmegen
  • Lesedauer: 2 Min.

Es sind neue Töne in den auf ihren liberalen Ruf bedachten Niederlanden. »Wir verwerfen, dass gleichgeschlechtliche sexuelle Anziehung ein Bestandteil von Gottes ursprünglicher, guter Schöpfung sein soll«, heißt es in der sogenannten Nashville-Erklärung, die ursprünglich in den USA verfasst und Anfang 2019 ins Niederländische übersetzt wurde. Im Text werden monogame Beziehungen und Eheschließungen zwischen jeweils einem Mann und einer Frau als biblisch gewertet, aber nur, wenn kirchlich geheiratet wird. Außerdem richten die Autoren sich explizit gegen Transmänner und -frauen. Adam und Eva seien von Gott zweigeschlechtlich geschaffen worden; Argument genug für binäre Geschlechtsidentitäten.

Der Schluss der Erklärung liest sich fast wie eine Drohung. So schreiben die Autoren: »Wir verwerfen, dass des Herrn Arm zu kurz sein soll, um zu retten, oder dass er irgendeinen Sünder nicht erreichen könne.« Ein Hinweis auf »Heilung« von Homosexualität?

Die »Nashville-Erklärung«, die in der Presse auch »Homohass-Manifest« genannt wird, hat in den Niederlanden eine heftige öffentliche Debatte entfacht. Einer der Organisatoren der Gay Pride Amsterdam erstattete dieser Tage Anzeige gegen den christlichen Abgeordnete Kees van der Staaij, der das Traktat mit unterzeichnet hatte. In der Presse reagiert der Politiker von der calvinistisch-konservativen SGP jedoch gelassen: »Die SGP hat niemals ein Geheimnis daraus gemacht, dass wir für eine biblische Auslegung von Ehe, Familie und Sexualität stehen.«

Auch der an der Vrijen Universiteit Amsterdam (VU) lehrende Theologieprofessor Willem van Vlastuin und der VU-Dozent Pieter de Vries stehen im Fokus der Kritik. De Vries verteidigte die Unterzeichner in einem Interview mit den Worten: »Als die Nazi-Ideologie sich festigte, schwiegen die Kirchen. Jetzt festigt sich die Gender-Ideologie.«

Die Erklärung schockiert besonders, da die Niederlanden als liberal in Bezug auf Homosexualität gelten. Bereits 1811 wurden homosexuelle Handlungen hier entkriminalisiert, während in der Bundesrepublik Deutschland der Paragraph 175 erst 1994 aus den Gesetzbüchern verschwand. Zur Jahrtausendwende wurde das Königreich der Niederlanden erstes Land der Welt, was die Homo-Ehe ermöglichte. 2001 kam das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare.

Mit der Erklärung wird ein Gesellschaftlicher Konsens angegriffen. Doch es gibt enormen Gegenwind, auch von kirchlicher Seite. So erntet die Erklärung auch von der Reformierten Kirche Kritik. Christliche LGBT-Organisationen veröffentlichten eine Gegenerklärung und die Vrije Universiteit zog Regenbogen-Fahnen auf. Die Staatsanwaltschaft prüft außerdem ein strafrechtliches Vorgehen gegen die Autoren des Textes. Zum Vergleich: Auch in Deutschland wurde der Text übersetzt und publiziert, jedoch ohne große gesellschaftliche Debatte.

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