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Milliarden für Deutsche Wohnen

Rückkauf der einst kommunalen GSW-Wohnungen wird nicht billig

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 2 Min.

Rekommunalisierung durch Rückkauf, dieses Ziel hat der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitag für die rund 66.000 Wohnungen der 2004 privatisierten landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GSW ausgegeben. Ausgerechnet mit dem Konzern Deutsche Wohnen, in dessen Hände die Bestände 2013 gelangten, soll der Senat verhandeln. Als Ganzes stünde die GSW allerdings nicht zum Verkauf, lässt Michael Zahn, Vorstandschef der Deutsche Wohnen, wissen. Aber: »Wir können uns vorstellen, bei etwaigen Verkäufen von Berliner Beständen das Land zu präferieren«, führt er vorsichtig-nichtssagend aus.

Der Preis wäre sicher nicht ohne. In ihrem Report für das dritte Quartal 2018 gibt die Deutsche Wohnen einen Wert von 15,6 Milliarden Euro für ihren Berliner Gesamtbestand von derzeit rund 115 000 Wohnungen an, überschlägig gerechnet ergäbe das knapp neun Milliarden Euro für die einstigen GSW-Bestände. Als der Senat die Wohnungsbaugesellschaft 2004 privatisierte, flossen knapp 410 Millionen Euro in bar, außerdem wurden rund 1,6 Milliarden Euro an Schulden von den Investoren übernommen. Der Wert hat sich also inzwischen mehr als vervierfacht.

Doch die Deutsche Wohnen wäre wohl nicht bereit, für die rund 2200 Euro pro Quadratmeter Berliner Wohnfläche, die der Konzern ansetzt, zu verkaufen. »Das ist nur der Buchwert«, sagt Deutsche-Wohnen-Sprecherin Manuela Damianakis auf nd-Anfrage. In seinen Quartalszahlen rechnet der Großvermieter mit einem Marktwert von 3270 Euro pro Quadratmeter. Dann würden aus den neun Milliarden Euro für die GSW schon 13,2 Milliarden Euro werden, sechseinhalbmal so viel, wie der Senat beim Verkauf einst erlöste. Der Gesamterwerb der Berliner Bestände, wie ihn Grünen-Fraktionschefin Antje Kapek fordert, würde mit 23,2 Milliarden Euro zu Buche schlagen. Zum Vergleich: Der Berliner Landeshaushalt 2019 hat ein Gesamtvolumen von 30 Milliarden Euro.

Eine etwas freiere Hand bei der Preisfindung hätte Berlin wohl bei der vom Volksentscheid »Deutsche Wohnen und Co enteignen« geforderten Sozialisierung. Die Initiative geht davon aus, dass eine Enteignung im Rahmen des Artikels 15 des Grundgesetzes »hinreichende fiskalische Spielräume, deutlich unter dem Verkehrswert zu entschädigen«, eröffnen würden. Dann könnte zum Beispiel der Ertragswert als Basis genommen werden.

6,62 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter erlöst die Deutsche Wohnen nach eigenen Angaben derzeit mit ihren Berliner Wohnungen. Nach Abzug einer Pauschale für Bewirtschaftungskosten ergäbe das auf 25 Jahre gerechnet einen Quadratmeterpreis von knapp 1500 Euro. Das liegt mit Grundstücken bereits unter heutigen Neubaupreisen. Damit könnten für etwa 10,6 Milliarden Euro alle 115 000 Wohnungen des Konzerns in Landeseigentum kommen.

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