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Frauenmacht trotz Uneinigkeit

Trotz interner Antisemitismus-Debatte werden am Samstag Hunderte »Women’s Marches« weltweit stattfinden

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

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Auch dieses Jahr wollen wieder Tausende Frauen in Hunderten Städten in den USA und weltweit beim Women’s March demonstrieren. Doch die vor zwei Jahren aus Empörung über die Wahl von Donald Trump entstandene Protestbewegung in den USA ist gespalten. Ein Grund: Antisemitismusvorwürfe. Als schwarze Organizerin müsse sie dort hingehen, wo die schwarze Community sei, auch wenn das manchmal »problematische Orte« seien, verteidigte sich Tamika Mallory diese Woche in Woopi Goldbergs populärer Fernsehsendung »The View«. Auf Nachfrage, warum sie den schwarzen Nationalisten Louis Farrakhan von der Nation of Islam, ein Mann mit einer Geschichte antisemitischer Äußerungen, auf Instagram »den Größten« genannt habe, wollte sich die Aktivistin aus der Führungsriege des Women’s Marches nicht von Farrakhan distanzieren. Der habe trotz seiner Rhetorik historisch wichtige Arbeit für Schwarze gemacht. Schon im Februar 2018 hatte Mallory mit ihrer Verbindung zu den schwarzen Nationalisten Schlagzeilen gemacht. Das Women’s March-Führungsteam distanzierte sich mehrmals in Erklärungen von Farrakhan und Antisemitismus, verteidigte aber auch Mallory und andere Aktivistinnen, die in der Kritik stehen.

Einigen war das zu wenig, der Mee-Too-Mitbegründerin Alyssa Milano etwa. Sie erklärte im November, nicht mehr als Rednerin beim diesjährigen Women’s March auftreten zu wollen. Hinter der Auseinandersetzung steht auch eine um Identitätspolitik und Repräsentation auf der einen und »coalition building« auf der anderen Seite. Erklärtes Ziel des Frauenmarsches war und ist es einerseits verschiedene marginalisierte Gruppen zusammenzubringen, andererseits beschwerten sich schwarze Frauen und Latinas über weiße Feministinnen, die historisch ihre Bedürfnisse übersehen hätten und auch jetzt über ihre Köpfe hinweg planten.

Mehrere große Organisationen des politischen Establishments in den USA, die zuvor den Women’s March unterstützt hatten, haben sich wegen der Kontroverse mittlerweile zurückgezogen. Emily’s List etwa sowie das Southern Poverty Law Center. Diese Woche folge das Democratic National Comittee (DNC) und die National Organization for Women. 2017 hatte es nach Zählungen von Protestforschern der Harvard-Universität landes- und weltweit 900 Frauenmärsche gegeben - der größte Protest in der Geschichte der USA, im vergangenen Jahr waren es über 250.

Trotz der Antisemitismus-Kontroverse wird breit mobilisiert, nun eben getrennt. Die Organisatorinnen des Women’s March Inc. organisieren 220 Events in den USA. Im Mobilisierungsvideo sagt eine Erzählerin: »Wir werden nicht aufhören, bis wir die alte Welt hinweggespült haben, die versucht hat, uns kleinzuhalten.« Das Motto des Protestes ist dieses Jahr: »Women Wave«. Die Women’s March-Abspaltung March On organisiert am Samstag rund 160 Frauendemos in den gesamten USA. Sie wollen die Macht von Frauen zeigen, auch im Hinblick auf die Wahlen 2020. International wird es über 75 Frauenmärsche geben, organisiert von der eigenständigen Organisation Women’s March Global, acht davon in deutschen Städten.

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