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Ein Schwanzvergleich und seine Folgen

Seit Dezember ist Imke Wübbenhorst Trainerin der Herrenmannschaft des BV Cloppenburg. Dummen Sprüchen bietet sie gekonnt Paroli.

  • Von Antje Grabenhorst
  • Lesedauer: 4 Min.

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Imke Wübbenhorst – sie kam, sie sah, sie siegte. Oder vielleicht auch nicht. Denn verlieren gehört im Fußball zum täglichen Geschäft. Es sei denn, man heißt Borussia Dortmund. Oder man muss sieben Siege aus zwölf Spielen holen, um den Klassenerhalt zu schaffen. Das ist die große Aufgabe, vor der Wübbenhorst in den kommenden Monaten steht. Trotzdem hat die Trainerin des Oberligisten BV Cloppenburg schon jetzt einiges gewonnen. Zum Beispiel meine absolute Hochachtung und viele Sympathiepunkte.

Sie ist die erste Frau, die in dieser Spielklasse als Trainerin arbeitet und im Dezember 2018 eher aus der Not heraus die 1. Herren übernahm. Obwohl sie sich schon bei anderen Vereinen auf Jobs beworben hatte, ihr dies aufgrund ihres Geschlechts aber nie zugetraut wurde, findet die 30-Jährige das alles eher mäßig revolutionär. Ist halt so, musste ja irgendwer machen. Eine Feministin sei sie nicht, aber ganz gerne eine Frau, sagte sie kürzlich in einem Interview mit der »Zeit«. Sie möchte daran aber eher nicht gemessen werden, sondern vielmehr an dem was sie kann. Wübbenhorst will vor allem in Ruhe ihren Job machen und versteht den ganzen Wirbel nicht. Ich schon.

Ich würde sie auch ganz gerne nur an ihrer Leistung messen. Abgesehen davon, dass ich mir kein Urteil erlauben kann, da ich es voraussichtlich nicht schaffen werde, die nächsten zwölf Spiele vom BV Cloppenburg zu besuchen, ist Imke Wübbenhort trotzdem eine Vorreiterin auf ihrem Gebiet. Obwohl es auch andere Frauen gibt, die gerade im Männerfußball die ersten waren. Sei es Bibiana Steinhaus, die seit der Saison 2017/2018 als Schiedsrichterin in der 1. Bundesliga pfeift oder Claudia Neumann, die 2016 als erste deutsche Kommentatorin die Europameisterschaft in Frankreich begleitete. An den Shitstorm und die Kritik – natürlich nur anhand ihrer objektiven Leistung – erinnert man sich lebhaft, nicht. Auch die Chinesin Chan Yuen Ting hat vor knapp drei Jahren großes vollbracht. Und zwar nichts Geringeres als die Meisterschaft mit ihrem Team »Eastern Sports Club« zu holen. Als erste Trainerin weltweit. Mit nur 27 Jahren. Im Männerfußball. Das kann man sich schon mal merken.

Lesen Sie auch: »Laut sein, saufen, pöbeln.« Eine Ausstellung über Frauen als Fans in Fußballstadien.

Auch diese drei Frauen würde ich gerne nur an ihrem Können messen, nicht an ihrem Geschlecht. Und damit bin ich sicher nicht alleine. Es gibt einige Menschen, die beim Thema argumentieren, es soll nur um die Qualitäten äh Qualifizierung der Frauen gehen. Wenn das so einfach wäre. Und dann sind gerade im Fußball jene, die einerseits die Bewertung nach objektiven Maßstäben einfordern, andererseits diejenigen, die dann top informiert wissen, dass die Bundesliga nicht ganz so neu ist für die hübsche blonde Bibiana Steinhaus. Worum ging es noch einmal? Solange es also wichtiger erscheint, wie es Steinhaus schafft, bei all den Kilometern, Windstößen und Schweiß, 90 Minuten lang mit ein und demselben blonden Pferdeschwanz herumzulaufen, solange sollte man auch betonen dürfen, dass es etwas Besonderes ist, wenn es überhaupt eine Frau soweit geschafft hat, ohne vorher genervt das Handtuch zu schmeißen. Man kann sich nämlich sicher sein, dass diese Frauen hart kämpfen mussten, regelmäßig einige dumme Kommentare und Fragen über sich ergehen lassen und ziemlich oft an ihrem Geschlecht gemessen werden, obwohl das ja angeblich keine Rolle spielt: »Gar nicht so schlecht für 'ne Frau« lässt grüßen.

Zum Glück weiß Imke Wübbenhorst, wie man mit dummen Fragen umgeht. Als sie kürzlich gefragt wurde, ob sie denn eine Sirene auf dem Kopf tragen würde, damit ihre Jungs sich noch schnell eine Hose anziehen könnten, bevor sie die Kabine stürmt, antwortete sie trocken: »Natürlich nicht. Ich bin Profi. Ich stelle nach Schwanzlänge auf.« Touché, Imke.

Wer Wübbenhorsts Antwort nun sexistisch findet, muss eine Strafrunde laufen und diesen Artikel vielleicht noch einmal lesen. Ganz egal, welchen Geschlechts, Ehrenwort.

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