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Seenotretter müssen dem Sterben zusehen

2.000 Menschen protestieren in Barcelona für das Auslaufen der Hilfsorganisation »Proactiva Open Arms« / 117 Menschen vor der libyschen Küste ertrunken

  • Von Elisabeth Voß, Barcelona
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Samstag demonstrierten etwa 2.000 Menschen in Barcelona für die Freilassung des Rettungsschiffes der spanischen Hilfsorganisation »Proactiva Open Arms«. Dieses liegt seit dem 8. Januar im Hafen von Barcelona fest, weil die Behörden die Ausfahrt verbieten. Mit Rettungswesten und der Forderung #freeopenarms zog die Demonstration vom Sitz des Spanischen Staates in der autonomen Region Katalonien zur Niederlassung der Europäischen Kommission.

Direkt vor dem Protestmarsch besuchte eine Gruppe von ParlamentarierInnen der LINKEN aus Berlin und Hamburg die »Open Arms«. Den Besuch hatte die Berliner Landesvorsitzende und Abgeordnete Katina Schubert organisiert, die auch das Rettungsschiff »Sea Watch« unterstützt. »Open Arms«-Kapitän Riccardo Gatti berichtete, dass die 19-köpfige Crew vor Ort sei und darauf warte, endlich wieder zum Retten losfahren zu können.

Neben neun Festangestellten seien zehn sehr professionell arbeitende Ehrenamtliche aus medizinischen und technischen Berufen, RettungsschwimmerInnen und ein Koch dabei. Es seien ausreichend Lebensmittel an Bord, Trinkwasser könne durch die Aufbereitung von Meerwasser auf dem Schiff selbst gewonnen werden.

Das Schiff sei schon zur Rettung Schiffbrüchiger genutzt worden, bevor es von der spanischen Hilfsorganisation »Proactiva Open Arms« betrieben wurde. Es gäbe also keinerlei sachliche Gründe, den Einsatz zu verbieten, sondern dies sei ausschließlich eine politische Entscheidung des spanischen Staates. Eine Entscheidung, die täglich Menschenleben koste. Die »Open Arms« kann mehrere Hundert Menschen aufnehmen, das Maximum sind 600 Personen, wobei es dann sehr eng auf dem Schiff wird.

Die Demonstration zeigte einen breiten Querschnitt der Stadtbevölkerung. Menschen jeder Altersgruppe und unterschiedlicher Herkünfte skandierten »Kein Mensch ist illegal« und »Die Europäische Union ist mörderisch«. Die Verantwortlichen wurden klar benannt: »Salvini Faschist, Sánchez Feigling« (Salvini fascista, Sánchez cobarde). Auf der kurzen Abschlusskundgebung wurden die rechtlichen Grundlagen verlesen, die vorschreiben, dass Menschen in Seenot gerettet werden müssen.

An Demonstrationen für die Unabhängigkeit Kataloniens nehmen mitunter Hunderttausende teil, und auch die Gegendemonstrationen für einen spanischen Zentralstaat sind oft sehr gut besucht. Angesichts dessen, dass der Protest für die »Open Arms« innerhalb kürzester Zeit organisiert wurde, zeigte sich Riccardo Gatti im Anschluss daran trotzdem zufrieden, betonte jedoch: »Ich finde es unglaublich, dass wir eine Demonstration machen müssen, um Respekt für die Einhaltung internationaler Konventionen zu fordern.

Das ist doch vollkommen unlogisch.« Er berichtete, dass mehr als einhundert Organisationen und NGOs ihnen Unterstützungsschreiben geschickt hätten. Vor allem sei er »fassungslos, dass sie uns hier festhalten, während da draußen Menschen ertrinken«.

Zuletzt war am Freitag 50 Meilen nördlich von Al-Khums, einem Ort östlich der libyschen Hauptstadt Tripolis, ein Boot mit 120 Menschen in Seenot geraten. Nur drei von ihnen konnten gerettet werden. 117 sind ertrunken, genau in der Region, in der die »Open Arms« ihre Rettungseinsätze durchführt.

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Bildungsreise der Rosa Luxemburg Stiftung Brüssel zu munizipalistischen Stadtregierungen in Spanien.

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