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Ein Stahlwerker und sechs Lehrer

23 Männer und 18 Frauen möchten einen Platz auf der Liste der Linkspartei zur Landtagswahl

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Pferdezüchterin Isabelle Czok-Alm war 2001 in die LINKE eingetreten. Seinerzeit lebte sie noch in Mecklenburg-Vorpommern. Doch Anfang 2012 attackierten Unbekannte mehrfach ihren Hof in Groß Daberkow und töteten einige Tiere. Die Polizei sei von politisch motivierten Angriffen ausgegangen, habe jedoch die Ermittlungen eingestellt, ohne einen Täter dingfest zu machen, erzählt Czok-Alm. Aus Sorge um ihre Familie und die berufliche Existenz habe sie sich damals aus dem politischen Leben zurückgezogen. 2013 trat sie aus der Linkspartei aus und zog nach Brandenburg um.

Hier trat sie 2018 wieder in die Partei ein, schloss sich außerdem der Sammlungsbewegung »Aufstehen« an. Nach eigenen Angaben engagiert sich die 45-Jährige beim Runden Tisch Willkommen in Wandlitz und beim Bernauer Netzwerk für Weltoffenheit - und sie kandidiert für die Landtagswahl am 1. September. Als Direktkandidatin im Wahlkreis 15 ist Czok-Alm bereits nominiert. Am kommenden Sonnabend möchte sie auf die Landesliste ihrer Partei gesetzt werden. Sie interessiert sich für Listenplatz 15. So steht es in ihrer Bewerbung für den Parteitag am Wochenende in Wildau.

Insgesamt liegen nach derzeitigem Stand 41 Bewerbungen vor. Bis auf Alexander Klotzovski, der 2015 von der SPD zur Linkspartei überwechselte, haben alle Listenbewerber einen der 44 brandenburgischen Landtagswahlkreise. Vier Direktkandidaten - darunter Linksfraktionschef Ralf Christoffers und der Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Scharfenberg - verzichten von vorn herein auf einen Platz auf der Liste.

Im Kandidatenheft ist mit Stand 18. Januar verzeichnet, welcher Listenplatz jeweils angestrebt wird. Das Spitzenkandidatenduo wollen Kathrin Dannenberg und Sebastian Walter bilden, gefolgt von Bettina Fortunato und Finanzminister Christian Görke. Sie alle treten momentan konkurrenzlos an. Die erste Kampfabstimmung deutet sich bei Listenplatz fünf an: Claudia Mollenschott will ihn haben, aber genauso die vom Landesvorstand vorgeschlagene Landtagsabgeordnete Andrea Johlige. Gleich vier Bewerber haben sich für Listenplatz acht gemeldet, jeweils fünf Bewerber für die Plätze elf und zwölf.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass vier Bewerber noch nicht verraten, auf welchen Listenplatz sie es abgesehen haben. Der Landtagsabgeordnete Andreas Bernig ist einer von ihnen. Sein Fraktionskollege Carsten Preuß hat seine Absichten mittlerweile geändert. Als er Interesse an Listenplatz acht anmeldete - so ist es jetzt im Kandidatenheft verzeichnet -, wusste er nicht, dass er es da mit Schatzmeister Ronny Kretschmer und dem Abgeordneten Matthias Loehr zu tun bekommen würde. »Gegen diese beiden Platzhirsche komme ich nicht an«, sagt Preuß. Er verzichtet lieber und überlegt jetzt, es auf den Plätzen zehn oder zwölf zu versuchen. Allzu früh auf den Plan zu treten, ist für Außenseiter taktisch unklug. Abgesehen von den Spitzenkandidaten, denen 15 Minuten Redezeit zugestanden werden, erhält jeder Bewerber nur einmal drei Minuten, um sich vorzustellen. Wer dann eine Kampfabstimmung verliert, muss damit rechnen, gegenüber Konkurrenten einen Nachteil zu haben, wenn er versucht, auf einen nachfolgende Listenplätze zu kommen. Denn wenn sich diese Konkurrenten unmittelbar vor der Abstimmung vorstellen, sind deren Worte den Delegierten dann noch besser in Erinnerung. Die Kunst bestehe hier für die Kandidaten darin, ihre Chancen richtig einzuschätzen und weder zu früh noch zu spät anzutreten, bestätigt Landesgeschäftsführer Stefan Wollenberg.

Bis Platz 20 soll in einzelnen Wahlgängen entschieden werden, gegebenenfalls mit Stichwahlen zwischen den beiden Bewerbern mit den meisten Stimmen. Ab Platz 21 ist ein Rangziffernverfahren vorgesehen. Die Delegierten können die Bewerber dann auf einem Stimmzettel danach sortieren, wer ihnen zusagt. Wie lang die Liste werden soll, wird erst am Wochenende entschieden. Bleibt es bis dahin bei nicht viel mehr als 41 Kandidaten, könnte es sein, dass sie alle auf die Landesliste genommen werden, sagt Landesgeschäftsführer Wollenberg.

Die Liste ist bei den Sozialisten streng quotiert. Das bedeutet, dass alle ungeraden Plätze für Frauen reserviert sind, die sich aber auch auf die Männerplätze bewerben dürfen.

Bei der Landtagswahl 2014 war die LINKE nach den ersten fünf Jahren rot-rote Koalition in Brandenburg von 27,2 auf 18,6 Prozent abgestützt. In den Umfragen liegt sie seither bei 17 bis 18 Prozent.

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