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»Rassentheorie« in sächsischer Schule

Eltern machen Grünen-Abgeordnete auf rassistisches Biologie-Buch aufmerksam/ Schulaufsichtsbehörde hat kaum Einfluss auf Lehrmaterial

  • Von Lou Zucker
  • Lesedauer: 3 Min.

An einer sächsischen Oberschule wird weiterhin die sogenannte Rassentheorie gelehrt: eine pseudowissenschaftliche Theorie, die unter anderem dazu diente, den europäischen Kolonialsmus und den Nationalsozialismus zu legitimieren.

Eltern aus einer Gemeinde südlich von Dresden wanden sich mit Fotos der entsprechenden Schulbuchseiten an die Landtagsabgeordnete Petra Zais (Die Grünen). Darauf ist von »negriden, mongoloiden und euopäischen Rassenkreisen« die Rede mit Fotos angeblich typischer Vertreter*innen. Diese »Rassenkreise« werden mit Merkmalen wie »dicke Lippen« oder »gelblicher Hautton« beschrieben. Zusätzlich enthält das Lehrmaterial eine Übung für Zehntklässler, in der unterschiedliche Nasen- und Augenformen beschriftet und zugeordnet werden sollen.

Ein Sprecher des sächsischen Landesamtes für Schule und Bildung (LASUB) sprach am Dienstag von einem »bedauerlichen Einzelfall«. Gegenüber »nd« vermutete er keine Absicht, das Buch müsse »durchgerutscht« sein. Die Schulaufsicht habe mit dem Schulleiter der betreffenden Oberschule im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gesprochen. Dieser habe die rassistischen Schulbücher inzwischen beseitigt, so der LASUB-Sprecher.

Zais hatte Sachsens Bildungsminister Christian Piwarz (CDU) zuvor in einer kleinen Anfrage mit dem Thema konfrontiert. Der Begriff »Menschenrassen« sei in Sachsen in der Tat nicht mehr Teil des Lehrplans, hieß es in seiner Antwort - bis 2004 wurde dieser Begriff noch lehrplangemäß im Biologie-Unterricht in Klasse 10 verwendet. Piwarz verwies auf die Verantwortung der Schulleitung. Lehrmaterialien seien nämlich mit Ausnahme der Fächer Religion und Ethik seit 2017 nicht mehr zulassungspflichtig und würden von den Lehrkräften selbst ausgesucht.

Die Grünen-Abgeordnete bezeichnete Piwarz' Reaktion als »reichlich dürftig«. Sie fordert, das rassistische Lehrbuch aus dem Verkehr zu ziehen. Wenn »offenkundig rassistisches Material im Unterricht verwendet wird, muss die Schulaufsicht eingreifen«, sagte sie

Cornelia Falken, bildungspolitische Sprecherin der LINKEN im sächsischen Landtag, schlug ein »Mehr-Augen-Prinzip« vor. »Eigenverantwortung ist gut«, sagte sie gegenüber dieser Zeitung, sie berge aber die Gefahr, dass »einzelne Lehrkräfte mit rassistischen Einstellungen dieses Kontrolldefizit ausnutzen könnten«. Außerdem forderte sie mehr Geld für die Kommunen, um zeitgemäßes Lehrmaterial bereitstellen zu können.

Tatsächlich räumte der Sprecher der Schulaufsichtsbehörde ein, »aus einer gewissen Not heraus« könne es sein, dass einige Schulen auch noch veraltete und problematische Atlanten und Weltkarten aus der DDR verwendeten. In den kommenden Wochen und Monaten wolle seine Behörde das Thema der rassistischen Inhalte in Schulbüchern vermehrt gegenüber den Schulleitungen ansprechen.

Bei dem fraglichen Schulbuch handelt es sich um das Themenheft »Naturwissenschaft Biologie, Chemie, Physik - Farben« des Verlages »Volk und Wissen« von 1998. Das Programm des ehemaligen DDR-Verlages erscheint seit einer Fusion bei Cornelsen. Verlagssprecher Nico Enger sagte gegenüber dem »Redaktionsnetzwerk Deutschland«, er bedauere die Inhalte und billige sie »in keiner Weise«. Gedruckt werde das Themenheft nicht mehr. Wie viele Exemplare noch im Unlauf seien, war Enger jedoch nicht bekannt.

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