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»Grankin bringt mehr Qualität«

Manager Kaweh Niroomand über die Neuverpflichtung der kriselnden Berlin Volleys

  • Von Oliver Kern
  • Lesedauer: 4 Min.

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Die Berlin Volleys haben ihre Dominanz der letzten Jahre in der Bundesliga verloren. Nach der 0:3-Heimniederlage gegen Friedrichshafen liegt Ihr Team auf Rang vier. Warum kommt das Team nicht in den gewohnten Siegrhythmus?

Wir haben im ersten Satz ganz ordentlich gespielt. Den haben wir nur aufgrund von ein, zwei Unaufmerksamkeiten verloren. Im zweiten Durchgang setzte dann wieder ein, was uns die ganze Saison verfolgt: Wir sind in Gedanken noch im letzten Satz und total verunsichert. Da haben wir die Linie verloren und sind dann Friedrichshafen nur noch hinterhergelaufen.

Können Sie auch Positives aus dem Spiel mitnehmen?

Ja, wir wollten endlich unsere Annahme stabilisieren. Und mit der Rückkehr der zuvor verletzten Moritz Reichert und Nicolas Rossard konnte man zumindest sehen, wie das aussehen kann. Auch das Zuspiel wollten wir verändern, und Sergej Grankin hat hier und da aufblitzen lassen, was er kann. Er bringt mehr Qualität ins Zuspiel. Natürlich gab es noch Missverständnisse. Aber meine Hoffnung bleibt: Wenn wir Annahme und Zuspiel stabilisieren, bekommen wir auch den Angriff in den Griff.

Wie war es möglich, einen Spieler wie Grankin zu verpflichten?

Normalerweise kommt so ein Spieler nicht in die Bundesliga. Er wäre unbezahlbar. Es hat sich aber eine spezielle Situation bei ihm ergeben. Er hatte bei seinem alten Verein keinen Vertrag mehr und wurde uns sogar schon Anfang Januar angeboten. Da dachten wir aber noch, dass wir die Wende aus eigener Kraft schaffen. Im Nachhinein hätten wir ihn besser schon früher verpflichtet, auch weil er jetzt noch ein anderes Angebot vorliegen hatte, mit dem wir konkurrieren mussten. Dennoch hat er schnell unterschrieben. Das war letztlich eine Frage von Stunden, denn er war in der Champions League schon mal hier und kannte die Atmosphäre in unserer Halle. Wir haben uns inzwischen einen gewissen Stellenwert erarbeitet. Und so kommt dann auch mal ein Olympiasieger aus Russland zu uns.

Die Saison verläuft durchwachsen. Dabei hatten Sie große Hoffnungen in den neuen Trainer und einen runerneuerten Kader gesteckt.

Das stimmt. Ich wollte eine ruhigere Saison als die letzte. Friedrichshafens Trainer Vital Heynen hat gesagt, dass der Kader, den ich zusammengestellt habe, zu den besten zehn Europas gehöre. Weit hat uns das aber nicht gebracht. Dass es so schwierig wird, damit habe ich nicht gerechnet. Es könnte sein, dass über die Halbfinalteilnahme in einem Entscheidungsspiel in Düren, Lüneburg oder Frankfurt entschieden wird. Die sind alle sehr stark in diesem Jahr, das wird also auf alle Fälle schwer

Sie zeigten sich zuletzt skeptisch, dass ihre individuell starken Spieler als Mannschaft noch zusammenfinden werden. Sind Sie mit Grankin im Team jetzt zuversichtlicher?

Ja, denn mit ihm haben wir endlich eine Persönlichkeit auf dem Feld, der das Team in schwierigen Situationen führen kann. Er hat die nötige Erfahrung und Autorität dafür. Wir haben absichtlich jemanden geholt, der nicht einfach nur gut zuspielen kann. Ob Grankin den Wandel in drei Monaten schafft, können wir nur hoffen. Er hat Trainingsrückstand, ist noch nicht in Bestform hier angekommen. Deswegen hat ihn der Trainer schon viel spielen lassen, auch wenn er vorher nur ein Teamtraining mitgemacht hatte. Auch Moritz Reichert bekam nach der Verletzungspause viel Einsatzzeit, damit sich beide schnell einspielen können.

Die Zuspieler Jan Zimmermann und Sebastian Kühner haben nicht die erhofften Leistungen gezeigt. Was bedeutet Grankins Verpflichtung für die beiden?

Wenn Spieler mit uns über ihre Verträge verhandeln, kennen sie kein Pardon. Umgekehrt müssen sie nun auch mal mit so einer Situation umgehen. Ich habe beiden erklärt, dass das nicht meine Entscheidung war, sondern die des Trainers. Ich habe sie nur ausgeführt. Jetzt müssen sie darauf reagieren.

Ist es denkbar, dass sie den Rest der Saison drei Zuspieler im Kader behalten. Das wäre ungewöhnlich?

Ja, das ist denkbar, zumal Grankin in der Champions League nicht spielberechtigt ist. Ich bin bekannt dafür, sehr treu zu sein. Wenn es sein muss, bin ich aber auch sehr konsequent.

Sie wollten mit Zimmermann einen deutschen Nationalspieler fördern. Ist das Experiment gescheitert?

Ich habe schon sehr viel für den deutschen Volleyball getan. Daher lag es mir auch sehr am Herzen, hier junge deutsche Spieler wie Zimmermann und Reichert zu entwickeln. Ich kann aber auch das Projekt Berlin Volleys nicht gefährden. Wer es nicht voranbringt, den kann ich bei aller Liebe nicht unterstützen. Wenn Jan Zimmermann oder andere dazu beitragen, dass wir vorankommen, sind sie willkommen. Wenn nicht, müssen wir die Konsequenzen ziehen.

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