»So einfach war es …?«

Es mag makaber klingen: Mit Bücherverbrennungen kannte sich Erich Kästner aus. Hatte er sich doch mit einem Freund angesehen, wie die »Repräsentanten des deutschen Geistes«, Studenten in braunen Uniformen, aufmarschierten und die Fackeln legten, während ein gescheiterter Intellektueller im schwarzen Ledermantel die Brandreden hielt und auch Kästners Schriften dem Feuer übergab.

1947 sprach Kästner in einer Rede über diese Ereignisse: »So einfach war es, eine Literatur auszulöschen? So rasch gab der Geist seinen Geist auf?« 1958 hält er eine neuerliche, erweiterte Rede, die nicht nur den Doktor im Ledermantel erwähnt, sondern auch den Seins-Philosophen aus Freiburg, der Hitler zum Naturgesetz erklärte und sich selbst nach ’45 zum Innenwiderständler.

1965 brennen wieder Bücher, auch dazu gibt es eine Geschichte und eine Vorgeschichte. Und eine Anekdote zur Gründung des Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller von 1933 - der bisherige Schutzverband Deutscher Schriftsteller war aufgelöst worden -, bei der die Konservativen beschwichtigen und wenigstens die Form wahren wollten, während die Nazis ein Ultimatum stellten und kalt lächelnd ihre Uhren auf den Tisch legten. Die Abstimmung verlief laut Protokoll demokratisch. Wenn die Kulturwächter von der AfD, die Fernsehsendungen und Theaterstücke zensieren wollen, wieder mal vom Untergang des Abendlandes schwadronieren, von Werten und Gemeinschaft, darf man ihnen getrost dieses Büchlein »Über das Verbrennen von Büchern« entgegenhalten. mps