Kästner-Klassiker als Comic

Realistische Kinderliteratur ist heute nichts Ungewöhnliches. In den 1920er und 30er Jahren konnte man allenfalls Johanna Spyris »Heidi« und »Pommerle« der Frauenrechtlerin Magda Trott in Ansätzen modern nennen. Bis Erich Kästner das Genre aufmischte. Mögen seine Bücher aus heutiger Sicht auch etwas onkelhaft daherkommen, vermitteln sie doch immer noch auf lesenswerte Weise ein Zeitkolorit und lassen die Verhältnisse der Weimarer Republik plastisch werden.

Isabel Kreitz, Jahrgang 1967, liebt die Arbeiten des Illustrators Walter Trier, dessen Name untrennbar mit den Kinderbüchern Kästners verbunden ist. Sie wagte es und erzählte vier Bände als Comic neu. Ihr Zeichenstil lehnt sich an den Triers an, wirkt aber sorgfältiger und dynamischer, ein Hauch von Hergé (»Tim und Struppi«) klingt an. Eine gelungene Adaption - völlig zu Recht erhielt Kreitz 2012 den Max-und-Moritz-Preis als beste deutschsprachige Comiczeichnerin. Für Eltern, die ihren Kinder über Comics den Zugang zu geschichtlichen Themen ebnen wollen, ist das ein guter Einstieg, der im besten Falle zu den vielen herausragenden Publikationen aus dem Bereich Comic und Graphic Novel leitet, die schon »aus Anstand« zu einer antifaschistischen Haltung führen, wie die nicht unbekannte Schauspielerin und Sängerin Marlene Dietrich einst zu ihrem Werdegang bemerkte. mps