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Das Tropical Islands in Brandenburg will neue Zielgruppen erreichen: Solche, die sich für Natururlaub und upgecycelte Produkte interessieren.
Tropical Islands

Die Karibik wächst

Das Tropical Islands in Brandenburg arbeitet an einem neuen Image.

Von Marion Bergermann

An der Außenplane des Tropical Islands schmelzen lange Eiszapfen. Sie zerschellen auf dem gefrorenen Wassergraben, der um das Erlebnisbad verläuft. Unter der riesigen Kuppel laufen die Besucher*innen bei 26 Grad in Badeshorts und Bikini umher oder lümmeln auf den Liegestühlen. Ganzjährig kommen Gäste in das Urlaubsressort 60 Kilometer südlich von Berlin zum Entspannen in einer künstlich hergestellten Tropenlandschaft. Die einen sind für einen Tag da, andere übernachten in den Lodges oder Zelten zwischen Palmen und aufgeschüttetem Sand.

Gerade hat die spanische Parque Reunidos Group die Einrichtung für 226 Millionen von der malaysischen Tanjong Gruppe gekauft. Diese wollte das Tropical Islands abstoßen und sich zukünftig auf seine anderen Unternehmen, Kinos und Büros in Malaysia, konzentrieren.

Das Tropical Islands läuft gut, es schreibt schwarze Zahlen. Letztes Jahr kamen 1,2 Millionen Besucher*innen, das waren 100 000 mehr als 2017, berichtet die Pressesprecherin Katja Benke. Nun will die neue Eigentümerin das Ferienressort weiter ausbauen. »Parque Reunidos hat uns mit dem Ziel gekauft, weitere Aktivitäten und Unterkünfte zu schaffen«, sagt Benke. Was genau damit gemeint ist und ob etwa Arbeitsplätze geschaffen werden, dazu machte die Gruppe, die bereits 64 Vergnügungsparks weltweit besitzt, gegenüber dem »nd« zunächst keine Angaben. Fest steht, dass das Ressort von den momentan 1900 Betten auf bis zu 9000 Betten aufgestockt werden kann, das wurde bereits 2016 genehmigt. Gelder vom Land wird es für den Ausbau wohl nicht nutzen, dem Brandenburger Wirtschaftsministerium liegen keine Förderanträge vor.

In der 107 Meter hohen Halle schwebt ein Heißluftballon über den Menschen in Badelatschen. Ein Mitarbeiter zieht den Ballon, in dessen Korb Fahrgäste stehen, anhand von Seilen durch die Luft. Im Candy Shop auf der Einkaufszeile hat sich Lara vegane Gummibärchen gekauft, die extra gekennzeichnet waren. Die 21-Jährige ist mit einer Freundin aus Rostock für eine Nacht hier. Am Frühstücksbuffet war das Essen als vegan, vegetarisch und halal gelabelt. Sojamilch stand ebenfalls bereit, erzählt sie. In einem anderen Shop gibt es Taschen aus alten Zementsäcken und Spielzeugschildkröten aus recycelten Flip Flops. Seit kurzem hat das Unternehmen diese upgecycelten Produkte, also neue Waren aus wiederverwendeten Materialien, im Sortiment.

Damit will das Tropical Islands neue Zielgruppen, die etwa auf Details wie vegane Milch und Recyceltes achten, für sich gewinnen. Seit Jahren haftet dem Freizeitbad ein Klischee an. In Berlin gilt es in manchen Kreisen als Ort für wenig gebildete Besucher*innen mit Tattoos und großen Muskeln. Auch einige Medien versuchen, im Tropical Islands soziale Schichten mit vermeintlicher Bildungsferne auszumachen. So schrieb die »Welt«: »Nun weiß ich, was ich vermisste, ich erblicke ein Arschgeweih.« Die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« konstatierte: »Neben uns feiern größere Männergrüppchen irgendwas. Wir hingegen sind vollkommen fertig. Für diese Art von Erholung sind wir nicht gemacht.« Läuft man an Liegestühlen und Schwimmbecken vorbei, sind weder viele Tattoos noch Männergruppen zu sehen. Viele Paare und junge Familien sind da. Pressesprecherin Katja Benke sagt dazu: »Uns ist das Image bewusst. Das Klischee steht uns ein bisschen im Wege, gerade hier in der Region.« Sie fügt hinzu: »Ich glaube schon, dass wir noch ziemlich viele Menschen hier haben, die dieses Klischee bedienen. Aber wir haben sehr unterschiedliche Menschen im Dom. Wir müssen uns um andere, neue Gäste und Zielgruppen bemühen, das passiert Stück für Stück.«

Und so sollen »Familien mit Kindern jeden Alters« verstärkt kommen, »weil diese außerhalb der Ferienzeit reisen können«, so Benke. Auch Outdoorfans sollen den Weg ins Tropical Islands finden. »Wir hätten gerne, so komisch das klingt, mehr aktive Naturgenießer. Das heißt Leute, durchaus auch Paare ohne Kinder, die gerne mal mit dem Fahrrad rausfahren und was unternehmen.« Der Spreewald sei in der Nähe, ein klassisches Ausflugsziel in der Region. Außerdem würden sie gerne mehr Gäste aus Österreich und der Schweiz erreichen. Bisher kommen von den 20 Prozent der Besucher*innen aus anderen Ländern die meisten aus Polen, Tschechien und Dänemark, berichtet Benke.

Egal von wo die Gäste kommen, Geld sollten sie bereit sein auszugeben. Eigenes Essen und Getränke sind verboten, dafür gibt es mehrere Restaurants und Bars. Gezahlt wird am Ende, nachdem die Beträge des Konsumierten auf ein elektronisches Armband geladen wurden. Shirley und Florian aus Hannover, beide 23 Jahre alt, haben sich heimlich »ein bisschen was mitgenommen« an Essen. Sie sind für eine Nacht hier und trinken eine Cola in der Raucherlounge. Ihr Zimmer gefällt ihnen gut. Die Rutschen und den Saunabereich finden sie cool, das Wasser in der »Südsee«, dem größten Schwimmbecken, ist ihnen zu kalt. Lysann ist im Bademantel unterwegs. In München, wo die 36-Jährige wohnt, habe sie eine Therme in der Nähe für den gleichen Preis, »aber das hier gefällt mir noch besser. Das ist wirklich wie Kurzurlaub. Hier kannst du im T-Shirt rumlaufen und draußen ist es arschkalt.« Gleich will sie mit ihrer Cousine Minigolf spielen, die Anlage ist nur ein Stück von der Terrasse, auf der die beiden sitzen, entfernt.

Minigolfplatz, Papageien- und Schmetterlingsgehege, Fitnessstudio: Das Tropical Islands ist stetig gewachsen, seit es 2004 eröffnete. In der Halle, die errichtet wurde, um Zeppeline zu bauen, was sich jedoch für den damaligen Besitzer als unrentabel herausstellte, arbeiten mittlerweile 640 Menschen. Dazu kommen 100 Externe von Fremdanbietern etwa im Saunabereich. 16 Gärtner*innen kümmern sich um den weltweit größten Indoor-Regenwald und den Außenbereich. Im September letzten Jahres hat das Unternehmen 15 Auszubildende angestellt. Das Tropical Islands ist in der Region ein wichtiger Arbeitgeber. Während in Brandenburg die Arbeitslosigkeit im Dezember letzten Jahres bei 5,9 Prozent lag, ist sie mit 3,8 Prozent im Landkreis Dahme-Spreewald, in dem das Ressort steht, niedriger.

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