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Solidaritätsproteste für Rojava

Internationalisten aus 20 Ländern organisierten Aktionen um auf Bedrohung von Nordsyrien hinzuweisen / Blockade von Rheinmetall-Fabrik in Unterlüß

  • Von Anselm Schindler
  • Lesedauer: 3 Min.

In der Nacht zu Dienstag blockieren Unbekannte mit Baustellenabsperrungen die Zufahrtstraßen des deutschen Panzerherstellers Rheinmetall im niedersächsischen Unterlüß. Sie machten ein paar Fotos und verschwanden dann wieder in der Nacht. Die Aktion fand schnell über soziale Medien Verbreitung.

Es ist eines von Hunderten Fotos, die in diesen Tagen um die Welt gehen. Die Internationalistische Kommune von Rojava hatte gemeinsam mit feministischen und ökologischen Initiativen für die »Global Days of Action« gegen den Krieg Erdoğan in Kurdistan und die drohende weitere Eskalation des Krieges in Nordsyrien aufgerufen. Hunderte Gruppen auf aller Welt sind dem Aufruf der Internationalistischen Kommune gefolgt, die seit rund zwei Jahren Teil des radikaldemokratischen Aufbruchs im syrischen Teil Kurdistans ist. Aktionen gab es in 20 Ländern.

Es gab Grußbotschaften aus Kanada, Brasilien, Russland und der Ukraine, veröffentlicht unter dem Hashtag riseup4rojava. »Die Proteste sollen vor allem auch die treffen, die Erdoğans Krieg unterstützen und von ihm profitieren«, erklärt die italienische Aktivistin Alessandra gegenüber »nd«. Sie ist schon seit Längerem für die Internationalistische Kommune in Nordsyrien aktiv.

Ziel der Proteste waren in den vergangenen Tagen Rüstungskonzerne wie BAE Systems in London und die Daimler AG, die Militärfahrzeuge an die türkische Armee liefert. Aktivist*innen protestierten unter anderem in der Münchner Niederlassung des Konzerns. Ein Video, das auf Vimeo veröffentlich wurde, zeigt, wie eine Gruppe Vermummter über einen Metallzaun auf die Gütergleise des Münchner Panzerproduzenten Krauss-Maffei Wegmann springt und dort bengalische Feuer entzündet.

Die Internationalistische Kommune sieht die Aktionstage als Startschuss für eine neue Protestwelle gegen die Militarisierung und die Kriege im Nahen Osten und speziell gegen die Angriffe auf die kurdische Bevölkerung und die kurdische Freiheitsbewegung. »Die türkische Armee steht gemeinsam mit Dschihad-Milizen bereit, um Rojava anzugreifen. Wenn wir jetzt nicht handeln, ist es vielleicht bald zu spät«, erklärte Alessandra. Seit Wochen droht eine neue Eskalation in Nordsyrien, oder Rojava, wie das Gebiet auf Kurdisch genannt wird, denn Erdogan will das Gebiet besetzen. Dass diese Drohungen nicht nur heiße Luft sind, hat er bereits vor einem Jahr in Afrin gezeigt, die türkische Armee hält den kurdisch-syrischen Kanton seither besetzt.

»Der Aggression gegen Rojava ist auch ein Angriff auf die Frauenbewegung und ein Angriff auf die ökologischen Lebensgrundlagen der Menschen, die durch den Krieg zerstört werden«, sagte Alessandra. Sie und ihre Genoss*innen sehen diese Bedrohung auch als möglichen Ausgangspunkt für ein weiteres Zusammenwachsen linker und fortschrittlicher Kräfte weltweit. Denn die Internationalistische Kommune ist mit ihrem Protest nicht allein. Zahlreiche linksradikale Projekte haben sich ebenfalls solidarisiert, darunter in Deutschland die Organisation »Interventionistische Linke«. Sie will die Bindungen zur türkischen und kurdischen Linken stärken und Proteste gegen die deutsche Rüstungsindustrie konzentrieren, heißt es auf ihrem Blog.

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