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AfD-affiner Blogger

Warum die Berufung des Bloggers Don Alphonso in die Jury des »Medienpreises Parlament« für Wirbel sorgt

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wer in eine beliebige Jury berufen wird, sollte mit jenen, die er mit einem Preis ehren will, zwar einen stets kritischen, aber niemals einen herablassenden Umgang pflegen. Insofern ist es erstaunlich, dass Rainer Meyer, im Internet besser bekannt als der Blogger Don Alphonso, seit Kurzem in der Jury des »Medienpreises Parlament« sitzt. Die Auszeichnung wird seit 1993 vom Deutschen Bundestag an Journalisten vergeben, die »zur Beschäftigung mit Fragen des Parlamentarismus anregen und zu einem vertieften Verständnis parlamentarischer Abläufe, Arbeitsweisen und Themen beitragen«.

Dabei pflegt Meyer - vorsichtig formuliert - ein schwieriges Verhältnis zum Journalismus. Widmet er sich in seinen Beiträgen Kollegen, ist auch mal von »Systemredakteuren«, »Merkels Medienpaladinen« oder »Relotiusmedien« die Rede. Von den »Zwangsgebühren« schreibt er mit Bezug zum Rundfunkbeitrag ebenso, wie er den Satiriker Jan Böhmermann als einen »GEZ-Komiker« bezeichnet. Sprachlich erinnert Meyers Wortwahl an die AfD, er arbeitet sich auch nicht zufällig an ähnlichen Feindbildern wie denen der Neuen Rechten ab. Gender-Mainstreaming ist für ihn eine »totalitäre Ideologie«, den Grünen unterstellte er vergangenen Sommer einen »bizarren Volkstodeskult«, weil Mitglieder der Grünen Jugend auf einem Foto mit einem offenbar nicht ganz verkehrstauglichen Fahrrad posierten, als diese sich über das gerade verabschiedete Berliner Mobilitätsgesetz freuten. Schwer angreifbar macht sich Meyer, indem er viele seiner Äußerungen als Ironie verpackt, womit er sich im Nachhinein jederzeit auf die Position »Alles nicht so gemeint« zurückziehen kann.

»Don Alphonso ist definitiv einer, der vielleicht nicht wörtlich ›Lügenpresse‹ ruft, aber trotzdem ständig dieses Narrativ bedient, dass die Presse eben lügen würde. Und zwar dann, wenn sie nicht seinen Vorstellungen entspricht«, erklärt der Journalist Michael Seemann gegenüber deutschlandfunk.de.

Seinen Ansichten offensichtlich entsprechend schrieb Meyer über viele Jahre für die »Frankfurter Allgemeine«. Von 2009 bis 2018 war er auf faz.net mitunter an zwei Blogs gleichzeitig beteiligt, ehe sich die Zeitung von ihm trennte und Meyer zu welt.de wechselte. Dessen Chefredakteur Ulf Poschardt kann die Aufregung um die Berufung Meyers in die Jury des Medienpreises nicht nachvollziehen. Via Twitter teilte er mit, er freue sich über die Reaktionen des »Elfenbeinturms«, ein Wort, mit dem er regelmäßig Kritiker bezeichnet, die in aller Regel politisch links vom »Welt«-Chef zu verorten sind.

Gemeint sein dürfte damit auch die Grünen-Politikerin Claudia Roth. Für die Vizepräsidentin des Bundestags geht Meyer oft zu weit: »Für mich hat die Meinungsfreiheit dann Grenzen, wenn sie zur Verhetzung führt, wenn Hass gepredigt wird und wenn soziale Gruppen ausgegrenzt und verhetzt werden.« Roth wirft dem Blogger vor, er würde »Geflüchtete pauschal abwerten« und spreche etwa von einer »Gaudi-Migration«.

Vielsagend ist: Als Twitternutzer die Berufung Meyers kritisierten, verteidigte den Blogger ausgerechnet die Hamburger AfD.

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