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Gorch Fock: Werftspitze gefeuert

Verdacht auf Untreue - Verteidigungsministerin lässt das Schulschiff weiter sanieren

  • Von Hagen Jung
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die unguten Nachrichten rund um das Segelschulschiff »Gorch Fock II« scheinen nicht enden zu wollen. Allerdings kündet die aktuelle Meldung nicht von noch mehr Rost, sondern von empfindlichen Veränderungen bei der Elsflether Werft AG, die den maroden Kahn saniert. Die Eigentümerin jenes Unternehmens im niedersächsischen Kreis Wesermarsch, die Hamburger Sky-Stiftung, hat Vorstand und Aufsichtsrat überraschend abberufen. Für Ersatz hat die Justizbehörde gesorgt, sie hat sich darum gekümmert, dass erfahrene Manager rasch die frei gewordenen Posten übernahmen.

Auch auf der strafrechtlichen Ebene ist die Justiz aktiv geworden: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den gefeuerten Werft-Vorstand wegen Verdachts der Untreue. Es solle geprüft werden, ob Vorstand und Aufsichtsrat erhebliche Pflichtverletzungen zu Lasten der Werft und damit auch des Stiftungsvermögens begangen zu haben - so ist es einer Mitteilung der Sky-Stiftung zu entnehmen. Ob, und wenn ja, inwieweit diese Vorwürfe mit dem Auftrag zur Sanierung der Gorch Fock zu tun haben, war nicht zu erfahren.

Wie es mit ihrer Sanierung und mit der Werft weitergehen soll, wird am Freitag Thema einer Betriebsversammlung sein, zu der sich die etwa 130 Beschäftigten des Unternehmens treffen. »Unser Ziel ist es, die Arbeitsplätze zu sichern, und wir wollen das Vertrauen der Marine zurückgewinnen«, zitiert die Nordwest Zeitung den Betriebsratsvorsitzenden Ralf Templin. Immerhin ist die Bundeswehr mit rund 80 Prozent aller Aufträge der wohl wichtigste Kunde des Traditionsunternehmens.

Gegründet worden war es 1916 an der Weser, rund 50 Kilometer südlich von Bremerhaven. Mit dem Bau von Schiffen für den Fischfang hatte die Firma begonnen, in den folgenden Jahrzehnten erweiterte sich die Angebotspalette erheblich. Motorjachten, Tanker, Patrouillenboote und Containerschiffe entstanden in Elsfleth und auch der Kreuzfahrtsegler »Lili Marleen«, der nach seinem Stapellauf 1994 internationales Interesse fand. Nach einer Umstrukturierung in jenem Jahr legt die Werft ihren Schwerpunkt auf Umbau- und Reparaturarbeiten - dazu zählt zurzeit das Sanieren der Gorch Fock II.

Ihre Zukunft war am Mittwoch wieder Thema im Verteidigungsausschuss des Bundestages. Wie zumeist diskutierte das Gremium hinter verschlossenen Türen, doch so viel wurde bekannt: Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will sich offenbar nicht von dem Schiff trennen. Sie wolle versuchen, nachdem die Reparatur inzwischen schon 70 Millionen Euro gefressen habe, die Sanierung für die zu erwartende Gesamtsumme von 135 Millionen Euro vollenden zu lassen.

Wie verlautet, hofft die Ressortchefin, der Segler könnte 2020 wieder in See stechen. Zunächst ist der unlängst von der Ministerin verfügte Stopp der Sanierungsmaßnahmen aufgehoben. Sie sollen fortgesetzt werden, »unter strenger Beobachtung«, wie zu hören war. Sodann, spätestens im April 2019, werde der Rumpf der Gorch Fock versuchsweise zu Wasser gelassen. So könne die Werft zeigen, heißt es, dass ihre Stahlarbeiten erfolgreich waren. Erst dann wolle man im Ministerium über die weitere Sanierung entscheiden. Und so ist nach wie vor offen, wohin das Schulschiff fahren wird: wieder mit Kadetten und Kadettinnen aufs Meer oder aber zur Verschrottung.

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