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Kleiner, aber stabiler

Die Deutsche Bank will ohne eine Fusion mit der Commerzbank zu alter Stärke zurückfinden

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Christian Sewing sagt, er sei »stolz« auf seine kurze Amtszeit. »Wir haben alle Ziele erreicht, die wir uns im Frühjahr gestellt haben.« Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank konnte auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt vergangenen Freitag für das Kreditinstitut den ersten Jahresgewinn nach Steuern seit 2014 vermelden. Doch wichtiger als der im Branchenvergleich winzige Überschuss von 341 Millionen Euro ist Sewing die Geschäftsgrundlage: Das größte deutsche Geldhaus sei jetzt »sehr stabil aufgestellt« und könne in »der neuen Phase« 2019 endlich wieder wachsen.

Kosten und Bilanz hat Sewing bereinigt. Seit er im April zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen worden war, hat die Bank sich von vielen Geschäften getrennt. Die Bilanzsumme wurde seit der Finanzkrise von ihm und seinen Vorgängern so um eine halbe Billion auf 1010 Milliarden Euro geschrumpft. Fast 6000 Jobs wurden 2018 gestrichen, weitere sollen folgen. Dadurch sanken die Kosten um rund eine Milliarde Euro. Das kostete zwar auch Umsatz, aber unterm Strich fielen die Kosten schneller als die Erträge.

Gleichzeitig baute Sewing riskante Deals wie die Spekulation mit Aktien oder anrüchigen Derivaten ab, und das klassische Kreditgeschäft legte um 14 Milliarden Euro zu. Die hausintern lange umstrittene Übernahme der Postbank mit ihren vielen Millionen Kunden wird nun als Chance gesehen. Auch bei Darlehen für Unternehmen, Handelsfinanzierungen und Währungsgeschäften für weltweit operierende Konzerne sieht Sewing die Deutsche Bank in führender Position. Letztlich, so kann Sewing verstanden werden, soll die verkappt multinationale Investmentbank nach amerikanischem Muster wieder zu einer bodenständigen Universalbank rückgebaut werden, die ihre Unternehmenskunden überall in der Welt begleitet.

Es ist ein Geschäftsmodell, welches in der Bundesregierung auf Wohlgefallen treffen dürfte. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat angekündigt, in dieser Woche ein Konzept für eine »aktive Industriepolitik« zu veröffentlichen. Der Entwurf nennt Konzerne wie Siemens, Volkswagen und eben Deutsche Bank beim Namen, deren Gedeihen im nationalen wirtschaftlichen Interesse läge.

Die Opposition hält Artenschutz für ein falsches Signal. Solches Engagement der Bundesregierung fassten die Märkte »als implizite Staatsgarantie« für die Deutschen Bank auf, warnt der LINKE-Bundestagsabgeordnete Fabio De Masi. Was die Risikoneigung von Sewings Leuten wieder steigen lassen könnte.

Finanzminister Olaf Scholz scheint außerdem bereit, den Weg für eine Fusion mit der teilverstaatlichten Commerzbank zu ebnen. Durch eine Frage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz erfuhr die Öffentlichkeit kürzlich von wiederholten Treffen des Finanzministeriums mit Spitzen der beiden Banken sowie dem Investor Cerberus, der inzwischen eine ganze Reihe europäischer Bankbeteiligungen hält. Solche Nähe macht Bayaz »misstrauisch«, und er warnt vor »großen Risiken« für öffentliche Haushalte. Der Chef der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, der als Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzt, scheint eine Fusion rundum abzulehnen.

»Ob der schon seit Jahren versprochene ›Kulturwandel‹ nach einer Fusion der Deutschen Bank mit der Commerzbank stattfindet, würde ich mal eher bezweifeln«, erteilte Markus Dufner gegenüber dem »nd« allen Gedankenspielen eine Abfuhr. Der Geschäftsführer des Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre verweist auf Razzien während Sewings kurzer Amtszeit, neue Geldwäscheskandale und den Aktienkurs, der um ein Drittel eingebrochen sei.

Die Börsenschwäche lässt auch Finanzanalysten an der Lage der Bank zweifeln. Veränderungen der Regulierung würden die Deutsche Bank besonders treffen, meint die Barclays Bank. Andere Institute lehnen das eher »konservative« Geschäftsgebaren ab, und eine aggressive Wende sei nicht in Sicht. Sewing hatte solche Bedenken schon auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos weggewischt: »Wir wollen wieder stolz sein können auf die Deutsche Bank«.

Die Kosten werden in diesem Jahr weiter sinken, versicherte Sewing, und es gebe in wichtigen Geschäftsfeldern »großes Wachstumspotenzial«. Zudem seien 19 von 20 großen Rechtsrisiken abgearbeitet. Von den neueren Fällen Danske Bank, Cum/Ex und Panama-Papers sieht Sewing sein Haus aktuell kaum betroffen. Von einer »Notfallfusion«, wie das »Handelsblatt« titelte, scheint die Deutsche Bank also weit entfernt zu sein. »Dabei hilft uns die Stärke unserer Bilanz, die so stabil ist wie selten zuvor«, schrieb Sewing in einer Nachricht an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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