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Was ich gerade lese

  • Von Hermann Kant
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.
Leben ohne Lesen geht für mich nicht. Aber es geht durcheinander. Aus unbekanntem Grunde lasse ich oft aus, was gerade in aller Munde ist. So habe ich jetzt erst Kehlmanns Vermessung der Welt gelesen. Hut ab vor den Buchkäufern, die den anspruchsvollen und sehr witzigen Roman seit Jahr und Tag an der Spitze der Sellerliste halten. Bevor ich sie einordne, stehen die Bücher auf einem Regal sozusagen Schlange. Den Schluss, also das zuletzt Gelesene, bildet derzeit Wir sind die Liebermanns von Regina Scheer. Ein fabelhafter Gewinn! Es ist mir rätselhaft, wie die Frau das gemeistert hat. Dann kommen Saturday und Abbitte von MacEwan und Restless von Boyd. Sehr verschieden, aber gleich in ihrer literarischen Klasse. Es folgt Lars Gustafsson Der Dekan. Mir scheint, dem einst kaum entbehrlichen Schweden fällt an den amerikanischen Unis nichts mehr ein. Stefan Doernbergs Erinnerungen, die Fronteinsatz heißen, sind als Zeitzeugenbericht mehr als verdienstvoll. Nicht nur, weil er bei Edda Tennenbaum wörtlich Obdach gefunden hat und ich bildlich im politischen Sinne. Der geheime Rotbannerorden von Eberhard Panitz hält sich ebenfalls an Geschichte, ist aber vor allem eine spannende Geschichte, die der Frage nach dem Stalinismus nicht ausweicht. Nach Frank McCourts Teacher Man bedauerte ich fast, nicht Lehrer geworden zu sein. Auch Imre Kertéscs Roman eines Schicksallosen habe ich erst vor kurzem nachgetragen. Der Ungar hat mit seinem hochwachen, unendlich naiven und fast fatalistischen Erzähler für den entsetzlichen Stoff eine überaus ergiebige Erzählperspektive gefunden. Um die »Rücklese« der letzten Wochen hier zu beenden: Alle loben Ich nicht von Fest über den grünen Klee, ich nicht. Hier stehen unstreitige Einzelheiten bestreitbar für das Ganze; man hat es mit hochmütiger Ungerechtigkeit zu tun. Da stellt Meines Vaters Land von Wibke Bruhns geradezu eine Ehrenrettung dar. Derzeit lese ich eine Sammlung von Orwells Kolumne As I Please (Zeitungsbeiträge von 1943 bis 1947) und finde es so begreiflich wie furchtbar, dass die »staatliche« Linke nicht mit diesem scharf...

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