Werbung

Höchste Zeit für Rücktritte

Christoph Ruf über Kleingeist und Größenwahn beim Deutschen Fußball-Bund, was von Juristen beurteilt werden sollte

  • Von Christoph Ruf
  • Lesedauer: 4 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Deutscher Fußball Bund: Höchste Zeit für Rücktritte

Manchmal tat mir der DFB in den letzten Jahren fast schon leid. Immer, wenn im Fußball etwas schief lief, war der Verband aus der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise Schuld. Wobei er natürlich oft tatsächlich Schuld war, aber eben manchmal nicht alleine. So halten beispielsweise die deutschen Fanszenen bei den Protesten gegen die Kommerzialisierung fast immer Transparente hoch, die den Deutschen Fußball-Bund anprangerten. Die Deutsche Fußball Liga - die Vertreterin der Profiklubs, bei denen das ganz große Geld verdient wird - wird hingegen meist geschont.

Derzeit ist es aber tatsächlich der DFB, der sich heftiger Kritik ausgesetzt sieht. Denn laut Recherchen des »Spiegel« hat bei den oberen Chargen lange Jahre genau die Mischung aus Kleingeistigkeit und Größenwahn geherrscht, die die Kritiker aus dem Lager der Amateurvereine den Oberen schon lange zur Last legen. So soll der DFB während der WM 2014 für eine vor Ort in Brasilien durchgeführte Präsidiumssitzung stolze 370 848 Euro ausgegeben haben. Otto Normalverbraucher dürfte die Fantasie fehlen, was da genau zur Kostenexplosion beigetragen hat. Offenbar sind Flipcharts und Kugelschreiber verdammt teuer in diesem Brasilien.

Dass der Verband regelmäßig einen riesigen Tross an Vertretern der Landes- und Regionalverbände zu Reisen der Nationalmannschaft einlädt, ist seit langem bekannt. Und in Maßen ist das auch in Ordnung. Zumindest, wenn man nicht den Eindruck hätte, dass verdammt viele Landesfürsten sich auch deshalb so lammfromm gegenüber ihrer Verbandsführung verhalten, weil VIP-Tickets eben auch als Beruhigungsmittel verabreicht werden können. In dieser Hinsicht ist der DFB allerdings keine Ausnahme, bei den Ligavereinen funktioniert das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche genauso.

Die Kosten für die DFB-Touristik lagen dabei jedenfalls zwischen 2700 und mehr als 8000 Euro. Pro Person wohlgemerkt. Damit erscheint dann auch die Klage vieler wackerer Amateurvertreter in den Landesverbänden in ganz neuem Licht, wonach sich die für sie zuständigen Landesfürsten viel zu selten an der Basis blicken ließen. Das könnte dann ja auch daran liegen, dass die Getränke in der Oberliga nicht ganz so exquisit sind wie in den Edelhotels von München, Paris oder Rio de Janeiro. Wer das Ergebnis der Spiegel-Recherchen weiter verfolgt, stößt aber auch auf eine spießige Kleinkariertheit (oder ist es schlicht fehlender Anstand ?), bei der man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Wenn literweise Altbier und Kräuterschnäpse oder wie in einem anderen Fall Champagnerflaschen von gut verdienenden Funktionären über den DFB abgerechnet werden, ist das schon tolldreist. Immerhin, in diesem Punkt scheint Einsicht eingekehrt zu sein. Seit 2018 dürfen nur noch nichtalkoholische Getränke abgerechnet werden, heißt es. Späte Einsicht? Offenbar nur punktuell. Denn eine ähnliche Maßlosigkeit legt man beim Bau der neuen DFB-Akademie an den Tag, die mit ihrer Grundfläche von bis zu 200 000 Quadratmetern nicht eben unterdimensioniert wirkt. 150 Millionen Euro sind dafür veranschlagt.

Nun könnte der DFB natürlich machen, was er wollte, wenn er eine x-beliebige Firma wäre. Die Gepflogenheiten in einigen Großunternehmen sind ähnlich, wenngleich vielerorts Complianceregeln lange beschlossen wurden, bevor sich der weltgrößte Fußballverband überhaupt mit dieser Thematik beschäftigt hat. Doch diese Analogie hinkt. Denn der DFB ist eben kein privatwirtschaftliches Unternehmen, sondern gemeinnützig und somit steuerbegünstigt. Ob das nach den Enthüllungen noch zu rechtfertigen ist, müssen Juristen beurteilen.

Viel wichtiger ist, dass hier das Geld verprasst wird, das viele brave Amateurfußballerinnen und Amateurfußballer indirekt mit ihren Mitgliedsbeiträgen bezahlen. Es ist zudem genau der gleiche Verband, der mit genau der Pedanterie, die bei den eigenen Privilegien aussetzt, an der Basis regiert. Wer als Jugendtrainer das Ergebnis eines D-Jugendspiels ein paar Minuten zu spät beim entsprechenden Onlineportal einträgt, zahlt genauso eine Geldstrafe wie der Bezirksligist, der vor 50 Zuschauern spielt und versäumt hat, einen Ordnerdienst zu melden.

Übrigens: Auch beim DFB gibt es anständige Funktionäre. Menschen, die persönlich integer sind und schon lange wissen, was personell und systemisch falsch läuft. Der Verband kann nun zeigen, dass er wirklich reformfähig ist. Höchste Zeit für ein paar Rücktritte.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen