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Ein Freigeist für Joachim Löw

Der Leverkusener Julian Brandt bewirbt sich als Zehner ausdrücklich für das Nationalteam

  • Von Frank Hellmann, Mainz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Julian Brandt (r.) fliegt derzeit noch etwas höher als sein gelobter Leverkusener Kollege Kai Havertz.
Julian Brandt (r.) fliegt derzeit noch etwas höher als sein gelobter Leverkusener Kollege Kai Havertz.

Die Wangen waren noch immer ein bisschen gerötet, als Julian Brandt im Nachgang eines außergewöhnlich unterhaltsamen Bundesligaspiels ebenso gelöst wie geduldig Auskunft erteilte. »Die Leichtigkeit war da, es hat viel funktioniert.« Speziell bei dem Akteur, dem sie nicht nur bei Bayer Leverkusen, sondern auch bei der deutschen Nationalmannschaft die Nummer zehn zugeteilt haben. Effektiv und entschlossen wie selten zuvor hatte der 22-Jährige dem rasanten Aufwärtsauftritt am Mainzer Europakreisel seinen Stempel aufgedrückt: Mit zwei Toren und zwei Vorlagen avancierte Brandt am Freitagabend bei der 5:1-Gala zur prägenden Figur. Eine Rakete nach der anderen zündete der blonde Feuerwerker - und seine Gegenspieler standen mit staunenden Gesichtern nur daneben.

Nun ist es nicht so, dass das Talent des gebürtigen Bremers erst an diesem Abend erstrahlte, aber wer an Brandt dachte, hatte zuerst eigentlich einen hoch veranlagten Tempodribbler vor Augen, der ab und an mal am Flügel den Turbo anwirft, jedoch öfter auch mal hängen bleibt. Seit Peter Bosz bei der Werkself das Sagen hat, ist das Grundmuster holländischer Fußballschule im 4-3-3-System zu besichtigen, bei dem Brandt zwar weder ganz links oder rechts außen auftaucht, aber trotzdem gesetzt ist. In zentraler Mittelfeldrolle mit Blickrichtung nach vorne und direkterem Zug zum Tor.

»Wenn man außen spielt, ist man an der Position gebunden und hat weniger Raum. So kann ich wie ein Freigeist hin- und herlaufen«, sagte Brandt: »Ich fühle mich in dieser Rolle momentan sehr wohl.« Er habe immer gewusst, was in ihm stecke, bemerkte er noch und gestand, dass er sein Potenzial bisher zu selten ausgeschöpft habe. Aber betraf das in der Hinrunde nicht das gesamte merkwürdig schwergängige Team? Erst unter Bosz scheint sich unter dem Bayer-Kreuz die lang vermisste Leichtigkeit zu entfalten, weil die privat gut befreundeten Toptalente Brandt und Kai Havertz sich als offensives Mittelfeldgespann kongenial entfalten können.

»Das überträgt sich auf den Platz, wir haben oft dieselben Ideen«, erklärte Brandt. »Ich bin sein Freund und will ihn nicht allzu hochjubeln, aber sein Weg geht immer weiter nach oben«, ergänzte der erst 19-jährige Havertz. Ihr Trainer muss nach drei Siegen in der Liga nur darauf achten, dass Ausrutscher wie vergangenen Dienstag bei der Pokalblamage in Heidenheim ein Einzelfall bleiben. Kommenden Donnerstag in der Europa League in Krasnodar, warnte Brandt vorsorglich, »sollten wir an die Sache nicht so rangehen«. Schließlich soll der Positionswechsel im Verein eine Blaupause für das Nationalteam sein. Nach den letzten Länderspielen des vergangenen Jahres gelten bei Joachim Löw die Sprinter Serge Gnabry, Leroy Sané und Timo Werner gemeinhin als Angriffstrio der Zukunft - für den begabten Brandt bliebe da wieder nur der Part als Ergänzungsspieler. Es sei denn, er rückt auch hier eine Reihe dahinter. »Der Bundestrainer wird’s schon gesehen haben. Wenn ein Zehner gesucht wird und er der Meinung ist, wir haben keinen im Kader, dann denke ich, dass ich die Qualitäten hätte.« Er wolle sein Betätigungsfeld gerne erweitern, lautete die Botschaft, die für seine Karriere noch ziemlich wichtig sein kann.

Warum sollte Löw im Freundschaftsspiel 20. März gegen Serbien in Wolfsburg nicht mal austesten, wie sich Brandt und Havertz gemeinsam im Mittelfeld des Nationalteams vertragen, wenn der Münchner Joshua Kimmich die beiden so absichert wie in Leverkusen der Chilene Charles Aranguiz. Zumal sich Toni Kroos für weniger wichtige Länderspiele ohnehin Kunstpausen erbeten hat. Und wenn Löw noch zögert, kann er gerne auch Bosz befragen. Der hat nämlich eine klare Meinung, wo einer wie Brandt am besten aufgehoben ist: »Julian hat früher auf den Flügeln gespielt, aber ich habe ihn in der Mitte gesehen. Er ist ein sehr guter Spieler, und guten Spielern muss man oft den Ball geben.«

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