Werbung

Mit Ex-Feministin in den Gottesstaat

Von der Femen-Aktivistin zur Abtreibungsgegnerin: Die Brasilianerin Sara Winter wurde in das Frauensekretariat berufen

  • Von Niklas Franzen
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Sara Winter vor einem Plakat mit der Aufschrift:
Sara Winter vor einem Plakat mit der Aufschrift: "Rette ein Baby vor der Abtreibung"

Gott habe sie vom Feminismus geheilt, erklärte die bekannte brasilianische Aktivistin Sara Winter in einer rührseligen Videobotschaft. Das war 2016. Nun wurde sie von der Ministerin für Menschenrechte Damares Alves in das Frauensekretariat berufen. Winter soll in Zukunft das Referat für Mutterschaft leiten.

Mit ihren fundamentalistischen Ansichten passt Winter gut in das von Alves geleitete Ministerium. Die rechte Politikerin und evangelikale Pastorin, die Winter »als zweite Mutter« bezeichnet, arbeitet mit Hochdruck am Abbau des säkularen Staates.

Der prominente Zuwachs Winter hat eine turbulente Geschichte hinter sich. Die 26-Jährige wuchs im Bundesstaat São Paulo auf. In ihrer Jugend wurde sie Opfer familiärer Gewalt, wurde drogenabhängig, arbeitete als Sexarbeiterin. Im Jahr 2012 hörte sie im Internet von einer Bewegung, die gerade in Europa mit spektakulären Aktionen von sich zu Reden macht: Femen.

Nach einer Reise in die Ukraine, das Geburtsland der medienaffinen Feministinnen, gründete Winter eine Femen-Gruppe in Brasilien. Fortan sprengte sie auch in ihrer Heimat oberkörperfrei Veranstaltungen, war Gast in fast jeder großen Fernsehnshow und entwickelte sich zum Gesicht der jungen Bewegung. Es dauert jedoch nicht lange, bis sie sich mit ihren europäischen Mitstreiterinnen überwarf. Und auch bei brasilianischen Linken kamen schnell Zweifel auf. Denn Winter besuchte Neonazikonzerte und ließ sich ein Eisernes Kreuz tätowieren.

Mit der Geburt ihres Kindes kam der endgültige Wandel: Winter verkündete ihre Bekehrung zum Christentum und nennt sich seitdem »Ex-Feministin«. Heute ist sie eine der bekanntesten Abtreibungsgegnerinnen des Landes, unterstützte den Wahlkampf des Rechtsradikalen Präsidenten Jair Bolsonaro, teilt in den sozialen Netzwerken hart gegen LGBTI- und Schwarzenbewegung aus. Im Oktober 2018 kandidierte Winter erfolglos für eine rechte Partei. Dass die christliche Fanatikerin nun einen Posten in der Regierung ergattert hat, zeigt: Brasilien ist auf dem Weg zum Gottesstaat.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!

9 Ausgaben für nur 9 €

Jetzt nd.DieWoche testen!

9 Samstage die Wochenendzeitung bequem frei Haus.

Hier bestellen