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Schwerer Anschlag in Samarra

Sprengung der Minarette der Askariya-Moschee lässt neue Racheakte in Irak befürchten

  • Von Karin Leukefeld
  • Lesedauer: 2 Min.
Nach der Zerstörung der goldenen Kuppel der Grabmoschee von Samarra haben Extremisten nun auch die beiden Minarette gesprengt. Befürchtet werden wie damals Racheakte.
100 000 Orte mit historischer Bedeutung für die arabisch-islamische Kultur soll es in Irak geben, doch Samarra ist einer der bedeutendsten. Einst war es der Sitz des Kalifen Mutasim, eines Sohnes des Abbassidenherrschers Harun al-Raschid. Der eigentliche Name, »Surra man ra'a« bedeutet so viel wie »Es freut sich, wer es sieht«. Samarra zieht sich 30 Kilometer am östlichen Ufer des Tigris entlang. Aus einem ehemaligen Kloster wurde der Regierungssitz. Die bekanntesten Gebäude sind das Malwiyya-Minarett der Großen Moschee Jami al-Kabir mit seiner außen liegenden, spiralförmigen Treppe und die Askariya-Moschee. Sie ist die Grabstätte für Ali al-Hadi und Hasan al-Askari, den 10. und 11. in der Kette der schiitischen Imame. Imam Mehdi, der 12. Imam, soll hier zum letzten Mal gesehen worden sein, bevor er im Jahr 878 verschwand. Am 22. Februar 2006 fiel das vergoldete Kuppeldach der Askariya-Moschee infolge einer schweren Explosion völlig in sich zusammen, obwohl das Heiligtum, wie auch die anderen schiitischen Pilgerstätten in Kadhimiya, Kerbala und Nadschaf, von amerikanischen und irakischen Soldaten bewacht worden war. Nun sprengten Unbekannte die zwei Minarette der Askariya-Moschee, die kunstvoll mit persischen Mosaiken verkleidet waren, in die Luft. Nach der Zerstörung der goldenen Kuppel vor 15 Monaten machte, ob unbedacht oder absichtlich falsch, der nationale Sicherheitsberater, Muaffak al-Rubaie »sunnitische Aufständische« verantwortlich und setzte eine Welle von Gewalttaten zwischen den Religionsgruppen in Gang, die zu einer demographischen Neuordnung der irakischen Hauptstadt geführt hat. Inzwischen macht man »Al Qaida in Irak« für diese Art von Anschlägen verantwortlich. Viele historische Stätten sind heute unzugänglich oder zerstört. Sie dienen Antiquitätenräubern als Tummelplatz oder, wie die alten Festungen Ur und Babylon, als ausländisches Truppenlager. Moscheen beider islamischen Konfessionen und christliche Gotteshäuser werden angegriffen, auch die Gailani-Moschee der Sufibruderschaft Tariqah in Bagdad wurde bei einem Anschlag beschädigt. Dass Kuppel und Minarette der Askariya-Moschee in Samarra zerstört werden konnten, obwohl das Heiligtum rund um die Uhr bewacht wird, sorgt erneut für Misstrauen. »Wie konnten die Terroristen in den Schrein gelangen, ihre Sprengsätze platzieren und starten?« fragt Abdul Mahdi al Mutiri, Sprecher des schiitischen Geistlichen Muktada Sadr. »Sie müssen jemanden in den US- und irakischen Regierungstruppen gehabt haben, der ihnen geholfen hat.« Die Sadr-Bewegung hat Demonstrationen und eine dreitägige Trauer angekündigt. Großayatollah Ali al-Sistani rief die Iraker auf, ihren Zorn über die zerstörte Askariya-Moschee nicht aneinander auszulassen. Ministerpräsident Nuri al-Maliki ließ über Bagdad und Samarra eine Ausgangssperre verhängen.

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