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Revolution auf breiter Brust

Che Guevara, Lenin und die Kanzlerin gemeinsam im T-Shirt-Laden

Er nimmt sich die Mächtigen zur Brust. AMAD AL-KEILANI (56) verkauft seit über 20 Jahren rebellische T-Shirts in Hamburg. Wegen Heiligendamm hat er einen speziellen Gipfelgruß für Kanzlerin Angela Merkel entworfen. Den hat ND-Autor RENE GRALLA in Augenschein genommen im »A-MAD«, dem Fachgeschäft für fröhlichen Aufruhr.

ND: Der Widerstand gegen die Globalisierung wächst, aktuelles Beispiel ist der G8-Gipfel in Heiligendamm. Zeit für eine Renaissance des Polit-T-Shirts?
AMAD AL-KEILANI: Unbedingt! Die Leute reißen mir T-Shirts mit roten oder schwarzen Sternen oder mit dem bekannten Abbild von Che Guevara förmlich aus den Händen.

Das war wohl nicht immer so.
Stimmt. Seit Mitte der Achtziger verkaufe ich Mode für junge und unkonventionelle Leute. Damals war die große Zeit der Demos gegen Atomkraft und Raketennachrüstung der NATO - natürlich gehörte dazu ein Outfit im Che-Guevara-Look. Dann brach die Nachfrage ein, mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der Sowjetunion. Trotzdem habe ich Che Guevara niemals aus dem Sortiment genommen. In der zweiten Hälfte der Neunziger hat das Interesse für Che wieder zugenommen.

Wussten die Jugendlichen denn noch, wer Che eigentlich war?
Häufig kamen Schüler und sagten, sie suchten nach T-Shirts mit »diesem Kubaner, der Musik macht, Reggae oder Latino oder so«. Die haben Che Guevara manchmal sogar mit Bob Marley verwechselt (lacht)! Denen musste ich Nachhilfe geben. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht, er bläst den Mächtigen ins Gesicht, und Che ist erneut ein Idol geworden.

Sind T-Shirts mit Che Guevara nicht bloß ein modischer Gag?
Oh nein! Der Volksheld und Befreier Che Guevara ist ein Symbol der Revolution. Vielleicht kaufen sich jetzt manche diese T-Shirts, weil sie die für Pop halten. Na und, Hauptsache, die Leute tragen das überhaupt; allein diese Tatsache kann die öffentliche Wahrnehmung verändern und gesellschaftliche Prozesse in Gang setzen. Sehen die Mächtigen massenweise das Bild Che Guevaras in den Straßen, werden sie nervös.

Dass das Che-Motiv heute wieder angesagt ist, hängt das zusammen mit dem politischen Aufbruch in Südamerika, wo Linksregierungen die USA herausfordern?
Eindeutig. Und so nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: Der revolutionäre Prozess, der sich, ausgehend von Venezuela, am Vorbild Kuba orientiert, wird nach Europa exportiert.

Sie haben noch andere Persönlichkeiten auf Lager, Lenin ...
Man kann zu Lenin stehen wie man will, ohne ihn wäre die sozialistische Revolution in Russland undenkbar gewesen. Sie finden bei mir auch Ho Chi Minh, Martin Luther King und Mahatma Gandhi.

Außerdem sehen wir den Schriftzug Bagdad.
Mit lateinischen Buchstaben und auf Arabisch. Mein Vater stammt aus Irak, meine T-Shirts drücken Solidarität aus mit dem leidenden irakischen Volk nach dem Einmarsch der Amerikaner.

Sie sind geboren in Beirut. In Libanon droht neuer Bürgerkrieg.
Ich hoffe, dass die Lage dort nicht weiter eskaliert. Zu viele unschuldige Menschen sind schon gestorben.

Sie fertigen auch Unikate an, indem Sie T-Shirts und Mützen mit Textilfarben bearbeiten.
Mein Hauptmotiv ist eine stilisierte Kamera. Wir leben in einem Überwachungsstaat, auf öffentlichen Plätzen zeichnen elektronische Spione unsere Bewegungen auf. Orwells düsteres Szenario aus dem Roman »1984« ist keine ferne Utopie mehr. Ich wünsche mir, dass die Menschen aufwachen.

Nun bringen Sie ein T-Shirt heraus zu Heiligendamm und den Folgen. Unterlegt von einem roten Stern lesen wir »Angie - Angieee!«
Angela Merkel lässt sich auf Veranstaltungen gerne begrüßen mit dem Stones-Titel »Angie«. Aber als die Rolling Stones noch eine rebellische Band waren, schrieben sie auch aufrührerische Songs wie »Street Fighting Man«. Ich möchte die Bundeskanzlerin dazu aufrufen, Haltung zu zeigen und nicht jedem Druck aus Washington nachzugeben. Das gilt für den Klimaschutz, aber auch für die Politik in Nahost.

»A-MAD«, Marktstr. 143, 20357 Hamburg; Tel.: 040/ 432 744-01.ND: Der Widerstand gegen die Globalisierung wächst, aktuelles Beispiel ist der G8-Gipfel in Heiligendamm. Zeit für eine Renaissance des Polit-T-Shirts?
AMAD AL-KEILANI: Unbedingt! Die Leute reißen mir T-Shirts mit roten oder schwarzen Sternen oder mit dem bekannten Abbild von Che Guevara förmlich aus den Händen.

Das war wohl nicht immer so.
Stimmt. Seit Mitte der Achtziger verkaufe ich Mode für junge und unkonventionelle Leute. Damals war die große Zeit der Demos gegen Atomkraft und Raketennachrüstung der NATO - natürlich gehörte dazu ein Outfit im Che-Guevara-Look. Dann brach die Nachfrage ein, mit der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der Sowjetunion. Trotzdem habe ich Che Guevara niemals aus dem Sortiment genommen. In der zweiten Hälfte der Neunziger hat das Interesse für Che wieder zugenommen.

Wussten die Jugendlichen denn noch, wer Che eigentlich war?
Häufig kamen Schüler und sagten, sie suchten nach T-Shirts mit »diesem Kubaner, der Musik macht, Reggae oder Latino oder so«. Die haben Che Guevara manchmal sogar mit Bob Marley verwechselt (lacht)! Denen musste ich Nachhilfe geben. Mittlerweile hat sich der Wind gedreht, er bläst den Mächtigen ins Gesicht, und Che ist erneut ein Idol geworden.

Sind T-Shirts mit Che Guevara nicht bloß ein modischer Gag?
Oh nein! Der Volksheld und Befreier Che Guevara ist ein Symbol der Revolution. Vielleicht kaufen sich jetzt manche diese T-Shirts, weil sie die für Pop halten. Na und, Hauptsache, die Leute tragen das überhaupt; allein diese Tatsache kann die öffentliche Wahrnehmung verändern und gesellschaftliche Prozesse in Gang setzen. Sehen die Mächtigen massenweise das Bild Che Guevaras in den Straßen, werden sie nervös.

Dass das Che-Motiv heute wieder angesagt ist, hängt das zusammen mit dem politischen Aufbruch in Südamerika, wo Linksregierungen die USA herausfordern?
Eindeutig. Und so nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: Der revolutionäre Prozess, der sich, ausgehend von Venezuela, am Vorbild Kuba orientiert, wird nach Europa exportiert.

Sie haben noch andere Persönlichkeiten auf Lager, Lenin ...
Man kann zu Lenin stehen wie man will, ohne ihn wäre die sozialistische Revolution in Russland undenkbar gewesen. Sie finden bei mir auch Ho Chi Minh, Martin Luther King und Mahatma Gandhi.

Außerdem sehen wir den Schriftzug Bagdad.
Mit lateinischen Buchstaben und auf Arabisch. Mein Vater stammt aus Irak, meine T-Shirts drücken Solidarität aus mit dem leidenden irakischen Volk nach dem Einmarsch der Amerikaner.

Sie sind geboren in Beirut. In Libanon droht neuer Bürgerkrieg.
Ich hoffe, dass die Lage dort nicht weiter eskaliert. Zu viele unschuldige Menschen sind schon gestorben.

Sie fertigen auch Unikate an, indem Sie T-Shirts und Mützen mit Textilfarben bearbeiten.
Mein Hauptmotiv ist eine stilisierte Kamera. Wir leben in einem Überwachungsstaat, auf öffentlichen Plätzen zeichnen elektronische Spione unsere Bewegungen auf. Orwells düsteres Szenario aus dem Roman »1984« ist keine ferne Utopie mehr. Ich wünsche mir, dass die Menschen aufwachen.

Nun bringen Sie ein T-Shirt heraus zu Heiligendamm und den Folgen. Unterlegt von einem roten Stern lesen wir »Angie - Angieee!«
Angela Merkel lässt sich auf Veranstaltungen gerne begrüßen mit dem Stones-Titel »Angie«. Aber als die Rolling Stones noch eine rebellische Band waren, schrieben sie auch aufrührerische Songs wie »Street Fighting Man«. Ich möchte die Bundeskanzlerin dazu aufrufen, Haltung zu zeigen und nicht jedem Druck aus Washington nachzugeben. Das gilt für den Klimaschutz, aber auch für die Politik in Nahost.

»A-MAD«, Marktstr. 143, 20357 Hamburg; Tel.: 040/ 432 744-01.

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