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»Wir werden uns für Samstag rächen«

G8: Immer mehr Berichte über Polizeiübergriffe

  • Von Tom Strohschneider
  • Lesedauer: ca. 1.5 Min.

Wenige Tage nach Ende des G8-Treffens in Heiligendamm werden immer mehr Augenzeugenberichte über Polizeiübergriffe gegenüber Gipfel-Kritikern in der Öffentlichkeit bekannt. Die Bilanz der Gipfelsoli Infogruppe: Sicherheitskräfte haben Protestierende »in großem Umfang beschimpft, beleidigt, geschlagen und misshandelt«.

Es war für die Gruppe von Gipfelkritikern schon die fünfte Kontrolle an diesem Tag. Polizisten filzten das Auto erneut. Plötzlich fehlte ein Teil, das Fahrzeug ließ sich nicht mehr starten - und die Herumstehenden Polizisten grinsten. Bei dem Fall handelt es sich noch um einen der weniger schlimmen Übergriffe von Polizisten während des G8-Treffens in der vergangenen Woche. Seither werden immer mehr Details öffentlich. Im Internet schildern Augenzeugen ihre Erlebnisse. Berichte von sexistischen Attacken werden bekannt. Anwälte bestätigen brutale Gewalt bei Festnahmen. Bei Wasserwerfereinsätzen seien zwei Aktivisten schwer am Auge verletzt worden, einer liege noch immer im Krankenhaus. »Aufnahmen zeigen die lachende Besatzung eines eingesetzten Wasserwerfers«, so die Infogruppe. Polizisten schreckten dabei offenbar auch nicht vor offenen Drohungen zurück. »Wir werden uns für Samstag rächen, wenn Ihr hier weiter demonstriert«, sollen Beamte gegenüber Gipfelkritikern angekündigt haben. An jenem Tag war es bei der Demonstration in Rostock zu Ausschreitungen gekommen. Auch Sätze wie »Wollt Ihr sterben?« und »Geh, oder du er- lebst den heutigen Tag nicht mehr!« seien gefallen. Die Polizei machte nicht einmal vor Ärzten halt, wie das Beispiel des Berliners Michael Kronawitter zeigt. Der Mediziner war am vergangenen Mittwoch auf Bitten der Blockade-Veranstalter ehrenamtlich als Arzt im Einsatz. Auf dem Weg zu einem Patienten mit Atemproblemen wurde Kronawitter jedoch plötzlich festgenommen. Die Begründung: Er habe »Störer« durch die Polizeiabsperrungen geleitet. Den Tipp hatten die Beamten ausgerechnet von Berliner Zivilpolizisten - und die kennen Kronawitter. Er hat jahrelang Demos in Berlin mitorganisiert und ist in der linken Szene kein Unbekannter. Zuletzt kandidierte er für die WASG bei den Berliner Wahlen. Kronawitter wurde insgesamt 38 Stunden in einem der Gefangenenkäfige in Rostock festgehalten. Der Präsident der Berliner Ärztekammer Günther Jonitz kritisierte die Polizei. »Ärzte dürfen auch bei politischen Großveranstaltungen und Demonstrationen jeglicher Art nicht daran gehindert werden, Patienten zu versorgen«, so Jonitz. Die Berliner Polizei macht nun Front gegen Kronawitter: Die Ärztekammer solle sich nicht einfach die Schilderung eines Betroffenen zu eigen machen. Offenbar wurde inzwischen auch versucht, durch Anrufe von »Sicherheitsbehörden« bei der ...

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