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Taliban auf dem Verhandlungsweg

Afghanistan-Gespräche in Doha und Moskau unter Ausschluss der Ghani-Staatsführung

  • Von Emran Feroz
  • Lesedauer: 3 Min.

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Nicht die Hauptpersonen: Afghanistans Verteidigungsminister Khalid, sein US-Kollege Shanahan und Sicherheitsberater Mohib am Montag in Kabul (v. l.)
Nicht die Hauptpersonen: Afghanistans Verteidigungsminister Khalid, sein US-Kollege Shanahan und Sicherheitsberater Mohib am Montag in Kabul (v. l.)

Von »bedeutenden Fortschritten« sprach Zalmay Khalilzad jüngst nach seiner Rückkehr aus Doha. Khalilzad ist nicht irgendjemand, sondern - im Gegensatz zum afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani - der Mann der Stunde. Der US-Chefunterhändler, der die Friedensgespräche mit den Taliban in Katar führt, hat selbst afghanische Wurzeln und beeinflusst die amerikanische Politik am Hindukusch seit fast vier Jahrzehnten. Khalilzad, hatte am Montag die an »Resolute Support« beteiligten NATO- und Partnerstaaten über den Stand der Gespräche mit den Taliban informiert. Vergangene Woche sagte Khalilzad, er hoffe auf einen Friedensvertrag für Afghanistan bis zu den im Juli vorgesehenen Wahlen.

Nach den jüngsten Gesprächen, die immerhin ganze sechs Tage andauerten, könnte ein Abzug der internationalen Truppen - die Hauptforderung der Taliban - bald zur Realität werden. Berichten zufolge steht ein Abzug der US-Truppen binnen 18 Monaten im Raum. Zwei Drittel der rund 22 000 ausländischen Soldaten sind US-Amerikaner.

»Kein Afghane will eine dauerhafte Stationierung ausländischer Truppen in seiner Heimat«, meinte Ghani während einer Ansprache direkt nach den Gesprächen in Doha. Kurz darauf bezeichnete der Präsident Khalilzad in einem Interview mit dem afghanischen Sender Tolo als einen »Freund«.

Doch Ghani holte auch aus: »Er ist ein Amerikaner. Ich bin der Präsident Afghanistans«, hieß es unter anderem. Umso problematischer ist die Tatsache, dass alle Verhandlungen in Katar ohne Vertreter der afghanischen Regierung stattfanden. Die Taliban machten mehrmals ihr Desinteresse an Gesprächen mit Kabul deutlich und erklärten, dass man nicht mit einer »Marionettenregierung« verhandeln wolle.

Aus diesem Grund hegen viele Afghanen den Verdacht, dass ein Friedensdeal über ihre Köpfe hinweg beschlossen werden könnte und vor allem US-amerikanischen Interessen bedient und nicht afghanische. Dies betrifft in erster Linie Afghanistans Polit-Elite, die um den Verlust ihrer Macht fürchtet.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass Ghanis Regierung im Falle eines Truppenabzuges schnell kollabieren würde. Ein Grund hierfür sind nicht nur die Taliban, sondern auch zahlreiche innerafghanische Streitigkeiten zwischen brutalen Warlords und korrupten Politikern, die den afghanischen Staat sehr fragil erscheinen lassen.

Die Hauptsorge Washingtons ist eine Entwicklung Afghanistans, wie sie sich in den 90er Jahren und bis 2001 abspielte, sprich: Das Land darf nicht wieder zum Rückzugsort von extremistischen Terrorgruppen wie Al Qaida werden. Doch während über die gegenwärtige Präsenz von Al Qaida am Hindukusch so gut wie nichts bekannt ist, hat die afghanische Zelle des Islamischen Staates (IS) in den letzten Jahren an Macht und Einfluss gewonnen und verheerende Anschläge in Kabul und anderswo verübt. Von den Taliban, die seit jeher eine nationalistische Agenda pflegenwird auch der IS in Afghanistan bekämpft.

Dies alles wirft die Frage auf, inwiefern nach einem Abzug der internationalen Truppen tatsächlich ein Ende des Krieges am Hindukusch möglich wird. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden die meisten Kampfhandlungen zwischen Taliban-Kämpfern und afghanischen Soldaten ausgetragen.

Die Gespräche mit den Amerikanern waren allerdings nicht die einzigen, die in diesen Tagen stattfanden. Kurz nach der Verhandlungsrunde in Doha traf eine Taliban-Delegation in Moskau ein, wo man sich mit afghanischen Politikern und Warlords, angeführt von Ex-Präsident Hamid Karsai, traf.

Vor der Presse stellte sich Karsai neben Sher Mohammad Abbas Stanekzai, den Chefunterhändler der Taliban, und sprach von einem »historischen Moment«. Schauplatz war das Moskauer Hotel »President«. Auch in Moskau waren Vertreter der Kabuler Regierung nicht zugegen. Stattdessen hatte man den Eindruck, dass all jene, die Präsident Ghani vergrault und entmachtet hat, Einfluss wiederzugewinnen.

Dies könnte passieren, wenn durch einen Friedensdeal eine Interimsregierung zustande kommt, die Ghanis Administration ablöst. Ein solcher Schritt würde auch die Wiederwahl Ghanis gefährden. Allerdings betonte Washington immer wieder, wie wichtig ein »innerafghanischer Dialog« sei. Berichten zufolge wurde die Moskauer Konferenz von Exilafghanen in Russland organisiert.

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