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Sexualisierter Terrorismus

Die Organisation »One Billion Rising« kämpft gegen Gewalt gegen Frauen

  • Von Leila Dregger
  • Lesedauer: 3 Min.

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In der Dokumentation über die »City of Joy« ist von Verwundungen und unfassbarer Brutalität die Rede. Das Leid, das die darin interviewten Frauen an sexualisiertem Terrorismus erlebt und überlebt haben, ist unermesslich. Der Nobelpreisträger Denis Mukwege aus dem Kongo sagt darin: »Als ich als Gynäkologe die Verletzungen zunächst bei einer Frau sah, konnte ich noch glauben, das sei das Werk eines gestörten Einzeltäters. Als ich aber diese Verletzungen bei Tausenden, ja, Zehntausenden Frauen sah, konnte ich nichts mehr verdrängen. Die systematische Massenvergewaltigung im Kongo hat das Land über Generationen hinaus seelisch zerstört: unendlich viele Frauen und Kinder und auch die Männer, die den Frauen so etwas antun. Medizin allein hilft nicht.«

»City of Joy« ist ein Projekt in Ostkongo, das jedes Jahr mehr als 100 Opfer von sexueller Gewalt aufnimmt, behandelt und lehrt, ihren »Schmerz in Macht zu verwandeln«: In die Macht, Worte für den erlebten Schrecken zu finden, die Macht, anderen Frauen in ähnlicher Situation zu helfen und vor allem die Macht, wieder Freude zu empfinden. Die Berichte der Überlebenden vermitteln in ihrer Nüchternheit die unvorstellbare Vernichtungswut gegenüber allem Weiblichen, der gezielten Zerstörung von Gemeinwesen durch die seelische und körperliche Zerstörung ihrer Frauen.

Der Film von Madeleine Gavin, zu sehen auf Netflix, liefert keine pauschale Schuldzuweisung gegenüber Männern: Massenvergewaltigungen sind keine Triebbefriedigung frustrierter Männlichkeit, sondern gezielt eingesetzte Kriegswaffe und Symptom patriarchaler Herrschaftsverhältnisse. Sie geschehen in abgelegenen Regionen, die Täter sind meist jugendliche Söldner. Aber geduldet und sogar strategisch genutzt werden sie von den Globalisierungszentren der Welt. Ihre Klage richten die Überlebenden an multinationale Firmen und Länder wie die USA, England oder Deutschland, denen sie vorwerfen, das Land gezielt zu destabilisieren, um seltene Bodenschätze wie Coltan ausbeuten zu können. Der Film zeigt auch Heilung: Nach sechs Monaten in der City of Joy finden die Frauen eine neue Bestimmung. Viele kehren in ihre Dörfer zurück, um ihr Wissen und ihre Kraft einzusetzen und anderen Frauen zu helfen.

Initiatorin der City of Joy ist die Schriftstellerin Eve Ensler aus New York, selbst Opfer sexualisierter Gewalt. Ensler ist auch die Initiatorin der weltweiten Initiative One Billion Rising. Seit 2011 werden jedes Jahr am 14. Februar in 200 Ländern der Erde sogenannte Flashmobs gebildet: Gruppen von Frauen und Männern, die mit Tanz gegen sexuelle Gewalt demonstrieren. In Berlin beispielsweise um 16 Uhr am Brandenburger Tor.

Die Vereinten Nationen schätzen, dass fast eine Milliarde Frauen Opfer sexualisierter Gewalt werden. Und nicht nur Männer sind Täter: Das Verbrechen der Genitalverstümmelung wird öfter von Frauen ausgeübt. Anlässlich des Grauens stellt sich die Frage: Kann das Verhältnis zwischen den Geschlechtern heilen? Sabine Lichtenfels, Theologin und Friedensaktivistin, schreibt dazu in ihrem Buch »Und sie erkannten sich. Das Ende der sexuellen Gewalt«: »Die Debatte um sexuellen Missbrauch zeigt überdeutlich, dass in einer Gesellschaft, die auf den kapitalistischen und patriarchalen Gesetzen von Profit und Macht beruht, die erotische Anziehung zwischen den Geschlechtern ihren heilen Kern verlieren musste.« Frauen und Männer sind an diesem Punkt zu Solidarität herausgefordert. »Es geht nicht um weitere Verschärfung der Fronten zwischen Männern und Frauen, sondern um Aufklärung und Versöhnung der Geschlechter«, so Lichtenfels.

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