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Neue Wege beim Straßenbau

In Bergholz-Rehbrücke kümmerten sich die Anwohner selbst

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 2 Min.
Etwa vier Schritte breit liegt der Asphalt auf der Thomas-Mann-Straße 28 in Bergholz-Rehbrücke. Akkurat angelegt, schlängelt sich die Straße zwischen Eigenheimen hindurch, die von der Laube bis zum imposanten Blockhaus reichen. So ordentlich sieht es noch nicht lange aus, wie gestern bei einem Ortstermin deutlich wurde. Früher plagte die Anwohner im Frühjahr der Matsch und im Sommer der Staub. Die Straße war ein holperiger Sandweg. Davon hatten die Leute die Nase voll. Doch der Gemeinde Nuthetal fehlte das Geld für den Ausbau. Darum nahmen die 43 Anlieger das selbst in die Hand. Abgesehen von dem Beitrag, den sie ohnehin berappen müssen, zahlten sie auch die zehn Prozent Gemeinde-Anteil. 172 000 Euro kosteten die Arbeiten insgesamt. Je Frontmeter überwiesen die Anwohner knapp 200 Euro, für zusätzliche Zufahrten noch einmal 625 Euro extra. Für Eckgrundstücke gab es Abschläge. Auf ähnliche Art und Weise wurden in dem Ort vor den Toren Potsdams noch zwei Straßen finanziert: Im Reiherweg rechnete man nach der Grundstücksgröße ab, in der Feldstraße nach der Zahl der Anlieger. Weil die Anwohner selbst beschlossen, wie aufwändig gebaut werden soll, wurde es unter dem Strich sogar billiger für sie, als wenn die Gemeinde das entschieden und zehn Prozent zugeschossen hätte. Noch in diesem Jahr sollen acht weitere Straßen in Bergholz-Rehbrücke gemacht werden. Auch in Brieselang, Kremmen, Treuenbrietzen, Zepernick und anderswo wendete man derartige Modelle schon an. So können Straßenprojekte realisiert werden, die sonst auf Jahre nicht in Gang gekommen wären. Der Landtag änderte extra das Kommunalabgabengesetz. »Wir in Brandenburg gehen neue Wege und sind damit bundesweit Vorreiter«, lobt Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD). Sein Ressort bietet einen Leitfaden für Nachahmer an. Im zehn Millionen Euro umfassenden Nuthetaler Etat bleibt nur ein Spielraum von 156 000 Euro für freiwillige Aufgaben. »Da können nur die schlimmsten Löcher geflickt werden«, erläutert die Ortsteilbürgermeisterin von Bergholz-Rehbrücke, Annerose Hamisch-Fischer (für Linkspartei), die obendrein Vorsitzende der Gemeindevertretung ist. Dass die Bürger den Straßenbau inzwischen selbst organisieren dürfen, sei ein Segen, sagt sie.

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