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Stellenabbau heute, Lehrermangel morgen

Zunächst entsteht ein Überhang von 1500 Pädagogen / Linkspartei kritisiert Personalbedarfsplanung

  • Von Bernd Baumann
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
In knapp zehn Jahren droht dem Land Brandenburg ein dramatischer Lehrermangel. Viele Pädagogen erreichen dann das Pensionsalter und hinterlassen eine Lücke. Deshalb appelliert Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) bereits jetzt, den Lehrerberuf zu ergreifen. Ab 2016 bestehen die besten Chancen auf eine Einstellung, sagte Rupprecht gestern bei der Präsentation der Lehrerbedarfsplanung für die kommenden Jahre, die zuvor vom Kabinett beschlossen wurde. Nach der Sommerpause soll eine Kampagne starten, um für das Lehrerstudium zu werben. Gegenwärtig ist das Boot allerdings noch voll. Angesichts drastisch sinkender Schülerzahlen wächst der Personalüberhang. In wenigen Jahren sitzen 1500 Lehrer mehr als theoretisch benötigt in den Schulen. Bis 2013 gilt für sie Kündigungsschutz. In den vergangenen Jahren wurden rund 1300 Stellen abgebaut, vor allem durch Altersteilzeit und Abfindungen. Das soll noch forciert werden. Gegenwärtig drücken 294 000 Kinder und Jugendliche die Schulbank. In fünf Jahren werden es nur noch 241 500 sein. Das bedeutet einen Rückgang um 18 Prozent. »Gleichzeitig geht die Zahl der Lehrerstellen von heute 19 154 auf 16 026 zurück, was ein Minus von 16 Prozent bedeutet«, erläuterte Rupprecht. Es werden also weniger Stellen abgebaut, »als es dem Rückgang der Schülerzahl entspricht.« Etwa konstant bleiben soll die Schüler-Lehrer-Relation. Auf jeden Pädagogen kommen 15,4 Schüler. In den vergangenen Schuljahren waren es 16. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 17,2. »Die besonderen Bedingungen Brandenburgs als Flächenland werden in der Lehrerbedarfsplanung ausreichend berücksichtigt«, versicherte Rupprecht. Das Schulnetz soll so dicht bleiben, dass die Wege zumutbar sind. Die Situation ist regional unterschiedlich. »Zu 50 Prozent konzentriert sich der landesweite Überhang auf Cottbus und Umgebung«, erklärte Rupprecht. Es mussten deshalb schon Lehrer versetzt werden. Es gab erhebliche Proteste. Wer nicht umziehen oder pendeln will, kann inzwischen Teilzeitarbeit und ein entsprechend geringeres Einkommen akzeptieren. Das Durchschnittsalter der Lehrer liege heute bei fast 49, beklagte Rupprecht. Ab August werden deshalb in jedem neuen Schuljahr 200 junge Lehrkräfte eingestellt. »Bis zum Schuljahr 2012/2013 steigt diese Zahl auf 300«, so Rupprecht. Hinzu kommen 100 befristete Einstellungen. Ab dem Schuljahr 2016/2017 werde es keinen Lehrerüberhang mehr geben, versicherte der Minister. »Dann brauchen wir jährlich bis zu 900 neue Lehrkräfte.« »Die Landesregierung setzt ihre verfehlte Bildungspolitik unbeirrt fort«, kritisierte die Landtagsabgeordnete Gerrit Große (Linkspartei). Der beschlossene Abbau von mehr als 3000 Lehrerstellen trage nicht zur Lösung der Probleme bei. Unklar sei, wo in einigen Jahren die dann benötigten neuen Lehrkräfte herkommen sollen, wenn schon heute nicht genügend Absolventen da sind und viele von ihnen auch noch von anderen Bundesländern abgeworben werde...

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