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  • Berlin
  • Kulturkampf von rechts

Keine Bühne für Nazis

Handreichung zum Umgang mit dem Kulturkampf von rechts vorgestellt

  • Von Marie Frank
  • Lesedauer: 3 Min.

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Das Deutsche Theater in Berlin-Mitte hat leidliche Erfahrungen mit dem Kulturkampf von rechts: Im vergangenen Sommer wurde eine Performance von Anhängern der rechtsextremen »Identitären Bewegung« durch Lärm und Geschrei massiv gestört. Und weil der AfD das Programm nicht passte, forderte sie, dem Deutschen Theater die Zuschüsse zu kürzen - und dem Friedrichstadt-Palast und dem Gorki-Theater gleich mit.

Das altehrwürdige Theater bietet dementsprechend den perfekten Rahmen für die Vorstellung der neuen Broschüre der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin (MBR) zum Umgang mit den rassistischen und nationalistischen Umtrieben. Immer mehr Kulturschaffende und Einrichtungen seien Angriffen vonseiten der AfD und rechter Gruppierungen ausgesetzt, berichtet der Intendant des Deutschen Theaters und Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Ulrich Khuon, am Donnerstag vor vollem Haus. »Die Kunstfreiheit wird infrage gestellt«, betont er. »Und dagegen müssen wir uns wehren.«

Dass die Kultur neben der Politik ein immer größeres Kampffeld für Rechtsextreme wird, bestätigt auch MBR-Projektleiterin Bianca Klose. Die Angriffe reichten von Veranstaltungsstörungen und öffentlichen Provokationen über Drohungen bis hin zu parlamentarischen Anfragen und Anträgen zur Streichung von Fördermitteln. Damit verbunden ist eine diskursive Strategie, etwa wenn der kulturpolitische Sprecher der AfD, Marc Jongen, davon spricht, die Kunst- und Kulturszene »entsiffen« zu wollen. Im Zuge dieses zunehmenden rechten Kulturkampfs gegen Theater, Museen und Gedenkstätten häuften sich auch die Beratungsanfragen von Kunst- und Kulturschaffenden an die MBR, so Klose.

»Viele Kolleginnen und Kollegen sind ratlos, wenn sie mit so etwas konfrontiert sind«, sagt Khuon. Der Umgang mit solchen Situationen müsse erst gelernt werden. Um Kulturschaffende dabei zu unterstützen, hat die MBR eine Handreichung mit konkreten Tipps zum Umgang mit rechten Angriffen erarbeitet. »Die Zunahme rechter Anfeindungen des Kunst- und Kulturbetriebs steht beispielhaft für einen gesellschaftlichen Rechtsruck, dem Demokrat*innen entschieden begegnen müssen«, so Klose. »Es gilt, eine klare Haltung zu zeigen, anstatt zurückzuweichen.«

Dass das nicht immer der Fall ist, zeigte zuletzt der Umgang der Stiftung Bauhaus Dessau mit der Punkband Feine Sahne Fischfilet, deren Konzert im November kurzerhand abgesagt wurde, nachdem rechte Gruppen gegen den Auftritt mobil gemacht hatten. Dieser vorauseilende Gehorsam sei jedoch genau die falsche Reaktion, so Klose. Sie rät, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern die eigenen Positionen zu schärfen und gegebenenfalls inhaltlich zu unterfüttern. Wichtig sei auch der Zusammenhalt kultureller Einrichtungen sowie offensiv zu sein, statt nur zu reagieren. Ein gutes Beispiel dafür sei die »Erklärung der Vielen«, in der sich rund 2300 Kultureinrichtungen gegen rechts positionieren.

»Ich bin dankbar, dass die MBR Kultureinrichtungen beratend dabei unterstützt, sich gegenüber rechten Einschüchterungsversuchen klar zu positionieren, und hierfür konkrete Handlungsempfehlungen anbietet«, sagt Kultursenator Klaus Lederer (LINKE) bei der Vorstellung der Broschüre. Den Bemühungen rechter Kräfte, die Freiheit der Kunst einzuschränken und den öffentlichen Diskursraum zu besetzen, müsse etwas entgegengesetzt werden, so Lederer. Die Versuche politischer Vereinnahmung müssten zurückgewiesen werden, was jedoch nicht bedeute, dass Kunst neutral sein müsse: »Dass die Kunst ein unpolitischer Ort sein soll, ist eine völlig absurde Annahme.«

Auf die Frage, ob man im Umgang mit dem Kulturkampf von rechts mit Rechtsextremen reden sollte, hat Intendant Khuon eine klare Antwort: »Natürlich muss ich die Auseinandersetzung suchen, aber ich biete ihnen kein Podium. Das ist ein großer Unterschied.«

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