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Ehrung für Mitglied der Weißen Rose

Kaserne soll nach Christoph Probst benannt werden

  • Von Roland Lory
  • Lesedauer: 3 Min.

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In Sachen Traditionspflege hat sich die Bundeswehr lange Zeit nicht mit Ruhm bekleckert. Oft genug tragen Kasernen die Namen von Nazi-Generälen und »Kriegshelden«. An Einrichtungen, die an Widerstandskämpfer erinnern, gibt es heute etwa die Henning-von-Tresckow-Kaserne in Oldenburg oder auch die Major-Karl-Plagge-Kaserne in Darmstadt. Sie ist nach einem deutschen Offizier der Wehrmacht benannt, der zahlreiche jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung bewahrte. In der Sanitätsakademie der Bundeswehr in Neuherberg bei München trägt zwar das Audimax den Namen von Hans Scholl. Die Weiße Rose ist bei der Namensgebung von Militärarealen bisher allerdings nicht berücksichtigt worden.

Im November 2019, wenn sich Christoph Probsts Geburtstag zum hundertsten Mal jährt, könnte sich das ändern. Denn es ist geplant, dass eine bisher namenlose Liegenschaft in Garching bei München auf den Namen des früheren Mitglieds der Weißen Rose getauft wird. Auf dem Areal ist das Zentrale Institut des Sanitätsdienstes der Bundeswehr München zuhause.

»Das Kommando Sanitätsdienst hat einem Vorschlag zur Benennung der Liegenschaft nach Christoph Probst zugestimmt«, teilte Matthias Frank vom Presse- und Informationszentrum des Sanitätsdienstes der Bundeswehr mit. Zur endgültigen Billigung liegt die Sache derzeit in Berlin im Verteidigungsministerium.

1939 hatte Probst den obligatorischen Arbeits- und Wehrdienst absolviert und fing daraufhin in München sein Medizinstudium an. Nach Kriegsbeginn konnte er es als Soldat fortsetzen. Probst war Teil der Studentenkompanie der Luftwaffe. Anfang 1943 flog die Widerstandsgruppe Weiße Rose auf. Die Nazis ließen den 23-jährigen Familienvater Probst, der den Entwurf für das siebte Flugblatt verfasst hatte, sowie Hans und Sophie Scholl hinrichten.

Neben Probst stand zuletzt auch der Apotheker und Widerstandskämpfer Wilhelm Buisson als Namenspatron zur Debatte. Die Abstimmung unter den rund 180 Beschäftigten in der Garchinger Liegenschaft ergab jedoch ein klares Votum für Probst. Auch der Garchinger Stadtrat sprach sich für diese Benennung aus.

Probsts letztes noch lebendes Kind, Vincent Probst, äußerte sich im Vorjahr kritisch über den Begriff »Feldwebel« im Kasernennamen, den die Bundeswehr anvisiert hatte. Dieser klinge in seinen Ohren »martialisch«, wird er in Medienberichten zitiert. Sein Vater habe das Militär »als enorme Bedrohung empfunden«. Offenbar hatte der Einwand Erfolg: Aus gut unterrichteten Kreisen verlautet, dass beim Verteidigungsministerium nun der Vorschlag »Christoph-Probst-Kaserne« liegt.

Der gebürtige Murnauer steht in der Erinnerungskultur deutlich im Schatten der Geschwister Scholl. Nach diesen sind zig Schulen und Straßen in Deutschland benannt. Bei Probst ist das überschaubar. So tragen etwa Schulen in Murnau, Gilching und Neu-Ulm seinen Namen. In Murnau allerdings erst seit ein paar Jahren. Bis 2011 war die Bildungseinrichtung nach einem Teilnehmer des Hitlerputschs benannt.

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